Harter Schnitt bei Gedenkdienst

10. November 2010, 17:59
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Zivildiener bekommen künftig um 1000 Euro weniger

Wien - Die jungen Männer polieren das Image des historisch belasteten Österreich auf: Bei Auslandsreisen zeigen sich Politiker vom Bundeskanzler abwärts gerne mit Zivildienern, die in Gedenkstätten wie Auschwitz oder Yad Vashem tätig sind oder Holocaustüberlebende in Altenheimen pflegen. Zuhause hingegen setzt die Regierung bei dieser Gruppe kräftig den Sparstift an.

Um zehn Prozent kürzt das Innenministerium die Förderung für die 92 Zivildiener, die in mehreren Dutzend Ländern von Israel bis Argentinien Gedenk-, Sozial- oder Friedensdienst leisten: Statt bisher 10.000 Euro gibt es pro Kopf nur mehr 9000 Euro. Damit sollen die Zivis ein Jahr - der Auslandsdienst dauert zwölf statt neun Monate - über die Runden kommen. Dürre Begründung aus dem Ministerium: Man habe eben die Fixkosten reduzieren müssen.

"Die Republik drückt ihre Auslandszivildiener, die ohnehin freiwillig einen längeren Dienst leisten, zum Dank unter die Armutsgrenze", ärgert sich Florian Wenninger vom Verein Gedenkdienst, der pro Jahr 20 Zivis beschäftigt. Er habe gar keine andere Möglichkeit, als seine Burschen nun mit einem Tausender weniger auf die Reise zu schicken, sagt Weniniger - die Einnahmen aus Spenden gingen schon für Ausbildung und andere Posten drauf. Dabei sei der Auslandsdienst für viele der Freiwilligen bereits bisher ein Verlustgeschäft gewesen, weil die in neun Jahren nie an die Teuerung angepasste Subvention auch vor der Kürzung nicht für ein Jahr in der Fremde gereicht habe.

Empört sind auch die Grünen. Die Abgeordnete Tanja Windbüchler-Souschill fordert statt der Kürzungen nicht nur eine Inflationsanpassung: Das Innenministerium solle auch Frauen fördern, die freiwillig Gedenkdienst leisten wollen. Bisher ist dies nur auf eigene Kosten möglich.

Weniger Krankentransporte

Auf die klassischen Zivildienstorganisationen kommen ebenfalls Einschnitte zu. Blaulichtdiensten zahlt das Ministerium nur noch 600 statt bisher 635 Euro pro Monat und Mann, Sozialeinrichtungen 410 statt 445 Euro. Anders als beim Auslandsdienst werden die Kürzungen aber nicht den Zivildienern auf den Kopf fallen, weil die Dienstgeber eine gesetzlich fixierte Entlohnung zahlen müssen. Dafür könnte die Leistung leiden, prophezeit Robert Brandstetter, Geschäftsführer der Johanniter-Unfall-Hilfe, der im kommenden Jahr 169.000 Euro entgehen werden. Entweder die Länder schließen als Auftragsgeber der Hilfsorganisationen die finanzielle Lücke, sagt Brandstetter - oder man müsse manchen Service, etwa Krankentransporte in abgelegene Gebiete, einschränken. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2010)

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