Salzburger Festspiele mit Anna Netrebko in Tschaikowskys "Iolanta"

10. November 2010, 14:16
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Opern-, Konzert- und Schauspielprogramme für den Sommer 2011 wurden vorgestellt

Salzburg - Markus Hinterhäuser - seit September Interims-Intendant der Salzburger Festspiele - hat am Mittwoch sein Opernprogramm für den Festspielsommer 2011 (27. Juli bis 30. August) präsentiert, ebenso sein Konzertprogramm - und auch Schauspiel-Chef Thomas Oberender hat eine detaillierte Vorschau geboten.

Oper

Zentrale Opern-Neuproduktion ist Giuseppe Verdis "Macbeth" in der Regie von Peter Stein und dem Dirigat von Riccardo Muti. "Es war nicht einfach, diese beiden geschmeidig zueinander zu führen", erläutere Hinterhäuser. "Das hat mich ein paar Monate gekostet. Muti und Stein leiden ja beide nicht an einem unterentwickelten Ego. Aber bei Proben in Mutis Haus in Ravenna sind sie einander nahe gekommen", so Hinterhäuser erleichtert.

Neu produziert wird zudem "Vec Makropulos" ("Die Sache Makropulos") von Leos Janacek. Esa-Pekka Salonen wird am Pult der Wiener Philharmoniker stehen, Christoph Marthaler wird diese in Salzburg noch nie gespielte Oper in Szene setzen.

Die dritte von Hinterhäuser initiierte Neuproduktion des Festspielsommers 2011 ist ein konzertanter Opernabend mit zwei Einaktern. "Le Rossignol" von Igor Strawinsky und Tschaikowskys "Iolanta" - zwei ganz selten aufgeführte Märchen mit Musik - werden im Großen Festspielhaus vom Mozarteumorchester Salzburg und Ivor Bolton realisiert. Für die Hauptrolle als Iolanta haben die Festspiele Anna Netrebko engagiert.

Hinterhäuser hat den Festspielen 2011 kein Motto, dafür ein Zitat von Luigi Nono vorangestellt. "Das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken", steht auf dem offiziellen Programm, das Stephan Balkenhol gestaltet hat. "Ich habe den Spielraum, der mir geblieben ist, auch in der Oper genutzt", erläuterte der Übergangs-Intendant. "Einiges habe ich auch gerne von Vorgänger Jürgen Flimm übernommen."

Das ist vor allem die Da Ponte-Trilogie von Regisseur Claus Guth. "Es war Flimms langgehegter Plan, die Festspielproduktionen von Mozarts 'Don Giovanni', den 'Figaro' und die 'Cosi' in einer einzigen Saison zu zeigen", sagte Hinterhäuser. "Aber es wird nicht einfach Wiederaufnahmen geben. Claus Guth wird alle drei Opern gründlich überarbeiten, bis hin zu den Bühnenbildern.

Vor allem aber werden zwei der drei Opern von anderen Orchestern gespielt. 'Don Giovanni' bleibt bei den Wienern (unter Yannick Nézet-Séguin, Anm.), aber 'Figaros Hochzeit' wird vom Orchestra of the Age of Enlightment unter Robin Ticciati gespielt und 'Cosi fan tutte' von Marc Minkowski und seinen Musiciens du Louvre. Damit präsentieren wir drei Spektren des Mozartklangs, was Salzburg - wie ich glaube - gut ansteht."

Als große Neuproduktion 2011 ist zudem "Frau ohne Schatten" von Richard Strauss angekündigt. Diese Oper wird von Christian Thielemann, den Wiener Philharmonikern und Regisseur Christof Loy geleitet. Die Pfingstoper am 10. Juni im Haus für Mozart stammt von Saverio Mercadante (1795-1870) und heißt "I due Figaro". Verantwortlich dafür zeichnet Riccardo Muti.

Schauspiel

Neben dem "Jedermann"-Selbstläufer auf dem Domplatz setzt Oberender vor allem auf Goethes "Faust" und plant Teil eins und Teil zwei der Tragödie in einem sechsstündigen Marathon auf der Pernerinsel in Hallein. Regie in dieser Koproduktion mit dem Hamburger Thalia Theater wird Nicolas Stemann führen.

"Auf eigene Faust" und "Jenseits der Grenze" heißen zwei Reihen, die "Dichter zu Gast" ersetzen werden. Dabei wird u.a. Daniel Kehlmann in einer von Christopher Hampton inszenierten Lesung dem Wahnsinn des österreichischen Mathematikers Kurt Gödel nachforschen. Sein Stück "Geister in Princeton", im Auftrag der Festspiele verfasst, wird am 24. September in Graz uraufgeführt. Margarethe Mitscherlich wird über "Die Radikalität des Alters" reden, und Jon Fosse präsentiert seine eigene Faust-Version. Klaus Maria Brandauer leistet seinen Beitrag mit Lars Vogt, und für die Neukomposition der Musik für den Faust-Filmklassiker von Friedrich Wilhelm Murnau hat Oberender an Tobias Schwenke ebenso einen Kompositionsauftrag vergeben wie an Gustav (alias Eva Jantschitsch), die "Unterhaltungsmusik zur Suche nach Erkenntnis" schreiben soll.

Peter Handke hat sich für die Uraufführung von "Immer noch Sturm" für Salzburg entschieden, Dimiter Gotscheff wird - ebenfalls auf der Pernerinsel - inszenieren. Auch diese Aufführung wird mit dem Thalia Theater Hamburg koproduziert. "Die vier Himmelsrichtungen" heißt ein neues Stück von Roland Schimmelpfennig, das im Landestheater uraufgeführt werden wird. Der Autor wird die Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin selbst inszenieren.

Mit "Maß für Maß" und der studentischen Freiluft-Produktion "Sommernachtstraum" setzt Oberender zudem einen Shakespeare-Schwerpunkt. Thomas Ostermeier wird das von Marius von Mayenburg neu übersetzte "Maß für Maß" inszenieren, außerdem kehrt Gert Voss mit diesem Stück nach Salzburg zurück.

Auch das "Young Directors Project" ist formal neu gestaltet. Zum einen wird es 2001 vier Produktionen aus den USA sowie aus Nord- und West-Europa geben, darunter einen Museumsbesuch mit verbundenen Augen ("Symphony of a missing room") oder einen Kurs für Gesellschaftstänze und gute Manieren ("The Dinner Club"). Vor allem aber ist der Regie-Wettbewerb so organisiert, dass in zehn Tagen eine Art Repertoire-Betrieb entsteht, bei dem bis zu vier Vorführungen an einem Tag besucht werden können. Die Vorstellungen finden fast täglich nicht nur im republic, sondern auch in einer Vorstadtvilla, im Museum der Moderne, der Großen Aula oder einem Salzburger Bürgerhaus statt. 

Konzerte

Markus Hinterhäusers fünftes und letztes Konzertprogramm für die Salzburger Festspiele 2011 ist geprägt von Gustav Mahler. "Dieser Komponist ist die Weiche zur Moderne, seinen Werken wird man bei den Festspielen im kommenden Jahr immer wieder und in den verschiedensten Formen begegnen", so der Konzertchef und Interims-Intendant der Festspiele heute, Mittwoch, bei der Programmpräsentation. Zentralen Platz im Konzertprogramm nimmt zudem die Reihe "Der fünfte Kontinent" ein. Diese Reihe von Musik des 20. Jahrhunderts will Hinterhäuser heuer als Zusammenfassung und Abschluss verstanden wissen.

In den neun Konzerten der Mahler-Szenen werden Künstler wie Pierre Boulez, Matthias Goerne, Johan Botha, Miah Persson, Kent Nagano oder Gustav Dudamel ihre Beiträge leisten und Mahler von allen Seiten beleuchten. Für die Kammermusikfassung der vierten Symphonie hat Hinterhäuser mit Renaud Capucon, Clemens Hagen, Martin Grubinger oder Jörg Widmann selbst ein Ensemble aus den bestmöglichen Musikern zusammengestellt.

Am Beginn der Reihe "Der fünfte Kontinent" steht jener "Prometeo" von Luigi Nono, mit dem Hinterhäusers Karriere als Programmgestalter begonnen hat. Vor 18 Jahren hat er dieses von Elektronik unterstützte Vokal- und Instrumentalstück für "Zeitfluss" erstmals nach Salzburg geholt. Auch 2011 ist der Aufführungsort die Kollegienkirche. Von Salvatore Sciarrino stammt eine konzertante "Macbeth"-Version, und die Choreographin Sasha Waltz wird eine Arbeit zu Musik von Edgar Varese, Claude Vivir und Iannis Xenakis in der Felsenreitschule präsentieren. Es folgen alle Klavierstücke von Karlheinz Stockhausen, Streichquartette von Giacinto Scelsi und Georg Friedrich Haas sowie eine konzertante Oper von Morton Feldman.

Die Dirigenten der Konzerte der Wiener Philharmoniker heißen Pierre Boulez, Christian Thielemann, Riccardo Muti, Mariss Jansons und Franz Welser-Möst. Die Gastorchester kommen mit Simon Rattle (Berliner Philharmoniker), Gustavo Dudamel (Simon Bolivar Symphony Orchestra), Daniel Barenboim (West-Eastern Divan Orchestra) oder Riccardo Muti (Chicago Symphony Orchestra).

Die Camerata Salzburg konzertiert dreimal mit Kent Nagano, und in einem Schostakowitsch-Zyklus wird das Mandelring Quartett alle 15 Streichquartette spielen. Auch die Kammer- und Solisten-Konzerte sowie die Liederabende werden von den Topstars der Szene gestaltet, so werden von 27. Juli bis 30. August Künstler wie Christian Gerhaher, Andras Schiff, Leif Ove Andsnes, Grigory Sokolov, Mitsuko Uchida, Thomas Quasthoff, das Hagen Quartett, Maurizio Pollini, Fazil Say, Mischa Maisky, Martin Grubinger, Arcadi Volodos, Yo-Yo Ma, Emmanuel Pahud, Lang Lang, Ian Bostridge und viele andere in Salzburg auftreten. (APA)

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    A propos Netrebko: Am 13. November 2010 wird die Oper 'Don Pasquale' aus der New Yorkjer Metropolitan Opera live in die Cineplexx Kinos übertragen.

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