"Nichts hat sich geändert"

10. November 2010, 13:24
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Der damalige Hannover-Trainer Andreas Bergmann bedauert den Fortbestand der "Gesetz­mäßig­keiten dieser Leistungs­gesellschaft"

Köln - Ein Jahr nach dem Selbstmord von Robert Enke im November 2009 hat der damalige Trainer von Hannover 96, Andreas Bergmann, kein generelles Umdenken im Profifußball festgestellt. "Ich glaube, grundsätzlich hat sich nichts geändert. Der Erfolg zählt, der Sieg zählt, der Sieger zählt", sagte Bergmann dem NDR-Inforadio. "Ich glaube, wenn es eine Botschaft von Robert gibt, dann ist es die, dass wir auch wieder über Ängste, über Schwächen, über Zweifel, die man vielleicht hat, reden kann und sich darüber aussprechen kann. Das wäre schon gut, wenn wir das könnten. Ich glaube, die Gesetzmäßigkeiten dieser Leistungsgesellschaft werden wir nicht ändern."

Bergmann betreut heute die Nachwuchsspieler in Hannover und hat versucht, Lehren aus den Ereignissen zu ziehen. "Wir müssen gerade den jüngeren Spielern erklären, wie diese Gesellschaft funktioniert und diese Schnelllebigkeit gerade in der Bundesliga, dass sie zumindest wissen, was auf sie zukommt."

Bergmann rät Spielern, die psychisch labil sind, davon ab, an die Öffentlichkeit zu gehen. "Ich würde mir wünschen, dass das gehen würde, aber ich glaube, im Moment sind wir noch nicht soweit, dass man sich outen kann", sagte der 51-Jährige. Bergmann hatte seinen Job verloren, nachdem die Trauer um Enke Hannover 96 in eine schwere sportliche Krise gerissen hatte. 

Vor der Arbeit zum Stadion

In Würde und aller Stille haben zahlreiche Menschen am Mittwoch in Hannover des verstorbenen Torhüters gedacht. Bei nasskaltem Novemberwetter und Nieselregen besuchten viele Fans schon auf dem Weg zur Arbeit den Gedenkplatz, den Hannover 96 für den ersten Todestag des ehemaligen Fußball-Nationalkeepers in einem Zelt an der Nordseite des Stadions eingerichtet hatte. Enke hatte sich am 10. November 2009 das Leben genommen.

Seit 6.00 Uhr konnten sich die Trauernden in einem "Buch der Gedanken" eintragen und einige Minuten der Besinnung nehmen. Ein steter Menschenstrom besuchte das geschmackvoll ausgestaltete Zelt, in dem hinter einem Foto von Robert Enke mit seiner Tochter Lara auf dem Arm einige Devotionalien und die Fanartikel der Trauerfeier im Vorjahr ausgelegt worden waren. Einige Trauernde zündeten Kerzen an, legten Blumen nieder und verharrten in innerer Einkehr.

Viele Menschen erlebten erneut die Emotionen von damals. "Sein Tod ist ein Jahr her, und eigentlich kann ich es noch gar nicht fassen. Ich finde es schön, dass der Verein uns die Gelegenheit gibt, auf so pietätvolle Weise Robert zu gedenken", sagte ein Mann mit Tränen in den Augen.

Enke litt unter schweren Depressionen, hatte sich vor Jahresfrist in der Nähe des Bahnübergangs Eilvese auf die Gleise gestellt und war von einem Zug erfasst worden. An dieser Stelle stand am Mittwochmorgen ein Grablicht. Auf dem Waldfriedhof Empede, wo Robert Enke neben seiner früh verstorbenen Tochter beigesetzt worden war, war die Grabfläche vor dem schlichten weißen Steinkreuz mit einem Seil abgesperrt. (SID)

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    Hannover gedenkt Robert Enke.

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