Häme für Mirko Kovats aus der Schweiz und Deutschland

10. November 2010, 09:36
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Wien - Mirko Kovats, Gründer des um das Überleben ringenden Mischkonzerns A-Tec, hat nicht nur mit den österreichischen Medien seine liebe Not - auch die Zeitungen in Deutschland und der Schweiz sind ihm nicht grün. Kovats war in den vergangenen Jahren als Firmenaufkäufer in den Nachbarländern aufgetreten und hatte sich dabei nicht den besten Ruf aufgebaut.

"Kovats gefährdet Schweizer Erfolgsstory" titelte Anfang dieser Woche das Schweizer Gratisblatt "20 Minuten". Die Boulevardzeitung wirft Kovats vor, er habe das Traditionsunternehmen OC Oerlikon (damals: Unaxis) mit "heisser Luft aufgebläht" und suggeriert, Kovats sei für dessen bemitleidenswerten aktuellen Zustand hauptverantwortlich.

Der A-Tec-Eigner war zusammen mit seinen Landsleuten Investoren Ronny Pecik und Georg Stumpf im Lauf des Jahres 2005 in die Unaxis ein- und nur wenige Monate später, Anfang 2006, schon wieder ausgestiegen. Eine ursprünglich angestrebte Fusion mit der A-Tec kam nicht zustande. Die Unaxis-Eigentümergesellschaft Victory bzw. Oerlikon waren kurzfristig auch bei den Schweizer Industrieunternehmen Sulzer und Saurer eingestiegen. Zu A-Tec bzw. zu deren Tochter AE&E gehört aktuell übrigens auch die Schweizer Von Roll Innova (Müllverbrennungsanlagen).

Tagesanzeiger ätzt

Der Schweizer "Tagesanzeiger" erinnert sich Ende Oktober unter dem Titel "Ein Pleitier erklärt die Welt" des kurz zuvor vorgestellten neuen Kovats-Buchs ("Die Sowjets hatten recht"): "Mit dem Wissen von heute stellt sich (aber) die Frage, ob der Mann nur grenzenlos hochmütig war oder die Lage seines Konzerns nicht kannte."

Ein guter Bekannter ist der A-Tec-Gründer spätestens seit 2007 auch für deutsche Wirtschaftsjournalisten. Damals wollte der A-Tec-Chef die europäische Kupferindustrie - selbstverständlich unter eigener Führung - "konsolidieren". Kovats, dessen A-Tec eine Kupferdivision (Montanwerke Brixlegg) hat, stieg zu diesem Zweck als Aktionär bei Cumerio (Belgien) und in den Branchenriesen Norddeutsche Affinerie ein. Nach einem für Kovats ungünstigen Kartellurteil scheiterte das Vorhaben. Der Österreicher konnte die mit Kredit gekauften Anteile aber ohne Verlust wieder verkaufen.

"Keine Almosen für Kovats" kommentierte die deutsche "Börsen Zeitung" die Tatsache, dass es letzterem nicht gelungen war, Investoren für die Umschuldung einer auslaufenden Anleihe zu gewinnen (was der unmittelbare Auslöser für das Insolvenzverfahren war): Kovats sei zwar "mit dem Klingelbeutel herumgegangen, doch die Kollekte, die der Bilanz frommt, bleibt aus", schrieb die Zeitung.

Vergleichsweise nüchtern konstatierte die FAZ, dass der Mann "eine der größten Insolvenzen in Österreichs Geschichte" verursacht habe und stellt das unter den Titel "Vom Sanierer zum Sanierungsfall".

Der "Old Economy-Ivestior" war übrigens erstmals vor sechs Jahren auf dem deutschen Medien-Radar aufgetaucht - im Zusammenhang mit seinem Verkauf der VA Tech an die Siemens. Auch der Erwerb der noddeutschen Lentjes durch die AE&E um einen symbolischen Euro mag manchem heute noch in Erinnerung sein. Bei der 2007 verscherbelten Firma handelte es sich um den letzten Rest des einst stolzen Anlagenbau-Bereichs der GEA (Metallgesellschaft). (APA)

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