Expressive Klangschwerter

9. November 2010, 17:55
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"Cadence Macbeth" im Tiroler Landestheater

Immer wieder Opern-Uraufführungen am Tiroler Landestheater: Nach Hofers Nacht von Florian Bramböck und Alois Schöpf im Tiroler Gedenkjahr anno 9 nun Cadence Macbeth, die spannende neue Oper des Tiroler Komponisten Norbert Zehm und des Briten Peter Wolf.

Lulach heißt der von der Geschichte fast vergessene Sohn, den Lady Macbeth in ihre zweite Ehe mitbringt, vom Stiefvater Cadence genannt, von seinem Schwert gerade noch verschont: ein scheuer, zuletzt doch selbstbewusster Überlebenskünstler und Thronerbe inmitten aller Mordlust. Zehm lässt den Jungen von einem erstaunlichen Wiltener Sängerknaben, den Erwachsenen eindrucksvoll vom Sopranisten Arno Raunig singen.

Markant Andreas Mattersbergers Macbeth und die Lady der sprach- und stimmversierten Judith Keller; als schöne Hexe spielt Kathrin Walder Schicksal. Zehms Partitur ist grell und schneidend wie die allgegenwärtigen Schwerter, aber auch voll üppigster Klangfantasie und suggestiver Metrik; stark wirken besonders die poetisch-expressiven Episoden.

Hansjörg Sofka bringt das mit Elektronik durchmixte, bläserdominierte Kammerorchester samt Damenchor zum Schillern. Im archaischen Steinkreis (Bühnenbild: Veronika Stemberger) erzeugt Andreas Zimmermanns dichte Inszenierung (mit Videoinstallationen von Roland Schrettl) eine permanent bedrohliche Spannung.

Die englisch gesungene Oper kam beim Premierenpublikum glänzend an: Komponist und alle Interpreten freuten sich über viel Jubel. (höpf/DER STANDARD, Printausgabe, 10. 11. 2010)


>> 12. und 27. 11. sowie 2. und 10. 12., Tiroler Landestheater, Kammerspiele (0512/52074-4). 20.00

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