Geehrt, aber nicht gefördert

9. November 2010, 17:40
25 Postings

Ulrike Kaufmann und Erwin Piplits, Begründer des Serapions-Theaters und des Odeon, erhielten den Nestroy für ihr Lebenswerk

Seit Jahren kämpfen die beiden um das finanzielle Überleben ihres Theaters

***

Wien - Paulus Manker, überraschenderweise via Voting zum Publikumsliebling gekürt, legte seine Dankesrede - auch - als flammende Liebeserklärung an das Serapions-Theater, das Odeon und deren Gründer Ulrike Kaufmann und Erwin Piplits an. Die beiden sollten, als Krönung des Abends, den Nestroy für ihr Lebenswerk bekommen - und das, sagte Manker, müsse dazu dienen, den Fortbestand des Serapions-Theaters zu sichern. Karl Markovics, der ebenda erste Bühnenerfahrungen sammelte, ließ es später in seiner Laudatio ebenfalls nicht an Deutlichkeit fehlen: Er forderte den Finanzminister auf, "diesen Preis nicht als Ernte, sondern als Saat zu betrachten".

Und dann: Standing Ovations. Bravorufe für Ulrike Kaufmann und Erwin Piplits. Der Nestroy als Auszeichnung für ein 37-jähriges Theater-Lebenswerk - dem kulturpolitische Akteure aus Stadt und Bund nun gern ein Ende bereiten wollen, je eher, desto besser, befürchten die zwei Theatermacher. Nicht ganz ohne Grund, wie es scheint. Einige Kulturinstitutionen finden es jedenfalls, vorsichtig formuliert, eher befremdlich, dass Kulturschaffenden seitens der MA 7 mit Subventionsentzug gedroht wurde, sollten sie im Odeon auftreten.

Piplits, der seit sechs Jahren ehrenamtlich arbeitet: "Auch auf mein Alter bin ich bereits angesprochen worden. Aber so alt wie ich jetzt bin, war George Tabori, als man ihn nach Wien holte." Das wiederum war just zu jener Zeit, als Ulrike Kaufmann, Erwin Piplits und ihr Serapions-Ensemble 3000 Quadratmeter in der ehemaligen Wiener Produktenbörse in der Taborstraße adaptierten. 17.000 Euro kostet die unbefristete Miete für das Odeon, das sind 15 Prozent des nötigen Budgets.

Die Mietverträge sind an den Verein gebunden: "Wenn der nicht mehr aufrechterhalten werden kann, freut sich der Hausherr. Der würde blitzartig die Miete hinaufsetzen", dämpft Piplits etwaige Hoffnungen, das Theater unter neuer Leitung weiterzuführen. Mehr als 2,4 Millionen Euro steckten Kaufmann und Piplits von 1988 bis 2009 in Adaptierung, Erhalt und Geschäftsausstattung.

Ungewisse Zukunft

Nur 440.000 Euro davon kamen von der öffentlichen Hand. Interessant ist ein Posten über knapp 240.000 Euro: Mahngebühren, Verzugszinsen, Bank- und Wechselspesen aufgrund langer Wartezeiten auf Subventionen. Nun wächst der Betrag gerade wieder tüchtig an, allein 38.000 Euro muss das Odeon derzeit an Kreditzinsen zahlen. Seit 18 Jahren subventioniert die Stadt Wien das Odeon unverändert mit 690.000 Euro. Das deckt weniger als fünfzig Prozent des Bedarfs; das Geld hat im Laufe der Jahre bekanntlich sehr an Kaufkraft verloren. Die Theaterbeiräte des Bundes wiederum haben die bisherigen Projektansuchen abgeschmettert, Kulturministerin Claudia Schmied nahm geringe Subventionsgelder aus einem Sondertopf.

Wie sie es künftig hält, ist ungewiss. Voilà heißt die nächste Produktion, Premiere sollte im Jänner sein, die Proben haben begonnen, allerdings ohne Subventionszusagen seitens des Bundes. Dabei würde das Serapions-Theater auch wegen seiner Verdienste um Integration ausreichende Budgetierung verdienen: 20 Menschen aus 13 Nationen sind beschäftigt.

Besser dotiert sind Piplits' von der Stadt Wien installierte Kollegen von Odeon Tanz (Rose Breuss) und Odeon Musik (Hannes Löschel) mit je 130.000 Euro. Abzüglich 2000 Euro Tagesmiete, so sie Saal und Personal nutzen, haben sie 90.000 Euro für neun bis 15 Vorstellungen pro Jahr.

Das Odeon bringt jährlich zwei Produktionen heraus. Mehr ist budgetär nicht drin, Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny aber zu wenig. Das Theater könnte, so der Stadtrat, im Sommer für Touristen interessant sein, wofür aber Mittel aus zusätzlichen Quellen gefunden werden müssten. (Andrea Schurian/DER STANDARD, Printausgabe, 10. 11. 2010)

--> Ein Heimspiel für den Gastgeber Burgtheater


Ein Heimspiel für den Gastgeber Burgtheater

Wien - Für die elfte Ausgabe des Wiener Theaterpreises Nestroy stellte in diesem Jahr erstmals das Burgtheater seine Bühne zur Verfügung. Dessen Direktor Matthias Hartmann konnte mit der Anzahl der am Montag den Künstlerinnen und Künstlern seines Hauses zugesprochenen Preise mehr als zufrieden sein. Keine einzige Trophäe war einem anderen Theater in Österreich vergönnt.

Als beste Schauspieler wurden Kirsten Dene (Eine Familie) und Martin Wuttke (Das Begräbnis, Peking Opel) ausgezeichnet; der Regie-Preis ging an Alvis Hermanis für Eine Familie am Akademietheater. Bühnenbildner Johannes Schütz erhielt den Nestroy für seinen gespenstischen Hotelbau in Das Begräbnis. Auch die Preise für die beste Nebenrolle sowie den Nachwuchs verbuchte die Burg für sich - mit Johann Adam Oest und Sarah Viktoria Frick. Selbiges geschah auch mit dem Spezialpreis; Matthias Hartmann erhielt ihn für sein Projekt der "öffentlichen Proben" von Krieg und Frieden. Einzig die beste deutschsprachige Aufführung konnte das Schauspielhaus Zürich für sich beanspruchen - mit Werner Düggelins Volpone-Inszenierung.

Die von Peter Simonischek lau moderierte Show, in der wenigstens das Trio ABBAjetzt! für Lowtech-Unterhaltung sorgte, hatte drei Höhepunkte: Paulus "Publikumsliebling" Mankers forsche Forderungen an die Kulturpolitik; Karl Markovics' Eloge auf das Serapions-Theater (Lebenswerk-Preis) und Sabine Mittereckers kritische Dankesrede für den Off-Theater-Preis. (DER STANDARD, Printausgabe, 10. 11. 2010)


Link
KulturGlosse: Metapher fürs Leben
Die Nestroypreis-Gala - Von Andrea Schurian

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Nestroy-Preis für das Lebenswerk: Die Theatergründer Erwin Piplits und Ulrike Kaufmann kämpfen um das Überleben ihres Odeontheaters.

Share if you care.