Bewag-Vorstände gehen vorzeitig mit Jahresende

8. November 2010, 16:48
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Posten werden in den kommenden Tagen neu ausgeschrieben

Eisenstadt - Der burgenländische Landesenergieversorger Bewag trennt sich mit Jahresende vorzeitig von seinen beiden Vorständen Hans Lukits und Josef Münzenrieder. Das gab das Unternehmen am Montagnachmittag in einer Aussendung bekannt. Damit haben sich seit geraumer Zeit kursierende Gerüchte bestätigt - DER STANDARD hat berichtet -, zu denen die beiden Manager noch vor wenigen Tagen hartnäckig schwiegen. Die Vorstandsverträge wären ursprünglich bis 2012 gelaufen.

Lukits und Münzenrieder haben demnach mit Bewag-Aufsichtsratschef Josef Kaltenbacher und dessen Stellvertreter Leopold Buchmayer eine Vereinbarung getroffen, wonach ihre Mandate mit Jahresende aufgelöst werden, heißt es in der heutigen Pressemitteilung. Der Aufsichtsrat, dessen Sitzung um 14.00 Uhr begann, stimmte dieser Lösung zu.

Seit einiger Zeit habe es "Auffassungsunterschiede" zwischen Eigentümer und Aufsichtsrat einerseits und dem Vorstand andererseits gegeben. Betroffen gewesen seien die Bewag selbst, die Windenergie im Ausland sowie allgemein Beteiligungen und Sparmaßnahmen, hieß es.

In den nächsten Tagen soll eine Ausschreibung nach dem Stellenbesetzungsgesetz erfolgen. Bei Einhaltung der Mindestfrist von einem Monat könne möglicherweise nach einer Bearbeitungszeit noch heuer in einer Aufsichtsratssitzung ein neuer Vorstand beschlossen werden, teilte die Bewag mit. Die bisherigen Vorstandsmitglieder sollen dem Unternehmen noch einige Zeit als Konsulenten zur Verfügung stehen.

Karrieren

Hans Lukits wurde im April 2002 vom BEWAG-Aufsichtsrat zum Vorstandssprecher des Energieversorgers bestellt. Seine Kür erfolgte damals einstimmig. Josef Münzenrieder, zuvor Vorstand der Wirtschaftsservice Burgenland AG (WiBAG), wurde im März 2004 der Öffentlichkeit als Vorstand präsentiert. Ihre Zeit an der Unternehmensspitze war geprägt vom groß angelegten Ausbau der Windkraft, für den ihre Vorgänger den Grundstein gelegt hatten.

Vom früheren BEWAG-Vorstand rührte auch ein Leasinggeschäft mit US-amerikanischen Partnern her, das sich letztlich als verlustreich herausstellte: An zwei US-Investoren wurde 2001 der Fruchtgenuss am Leitungsnetz des Energieversorgers verleast. Die Hoffnung, aus einem damals als ziemlich risikolos eingestuften Geschäft einen Erlös in zweistelliger Millionenhöhe lukrieren zu können, wurde im Zuge der Wirtschaftskrise zerstört. Erst am vergangenen Freitag hatte BEWAG-Chef Lukits die Kostenbelastung aus dem US-Lease-Geschäft mit rund 35,8 Mio. Euro beziffert.

Windkraftausbau kostet Geld

Sollten alle geplanten Projekte genehmigt werden, liege das geplante Investitionsvolumen bei rund 380 Mio. Euro. Auch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) litt unter der Entwicklung. Im Geschäftsjahr 2003/04 hatte die BEWAG mit 37 Mio. Euro noch "das beste Konzernergebnis in der Geschichte des Unternehmens erwirtschaftet", freute sich Lukits damals. 2008/09 hatte es der Energieversorger hingegen mit dem schwersten Jahr der Firmengeschichte zu tun. Das EGT rutschte auf -7,5 Mio. Euro ab, nachdem es 2007/08 -3,9 Mio. Euro betragen hatte.

Im Jahr 2008 feierte der Energieversorger sein 50-jähriges Bestehen. Als "Geburtstag" gilt der 30. Juni 1958, damals erfolgte der Eintrag ins Firmenbuch. Der Ausbau der Windkraft versetzte den bisherigen "Energiedienstleister" auch in die Rolle des Stromproduzenten. Aus der BEWAG wurde ein Mischkonzern, der auch in den Bereichen Telekommunikation und Information, Elektronikproduktion und Service tätig ist. 

Knappe Kommentare aus Aufsichtsrat und Landespolitik

 

Auch nach der Entscheidung, die BEWAG-Doppelspitze mit Jahresende vorzeitig abzulösen, hält man sich seitens des Aufsichtsrates und der politischen Verantwortungsträger mit Kommentaren zurück. Er wolle über den Inhalt der am Montagnachmittag veröffentlichten Aussendung hinaus nichts sagen, so Aufsichtsratsvorsitzender Josef Kaltenbacher zur APA. Kaltenbacher meinte lediglich, man habe heute schon mit der Personalabteilung den Ausschreibungstext besprochen. Die im Dezember geplante Aufsichtsratssitzung wolle man nach hinten verschieben, um sich womöglich schon auf einen oder zwei Kandidaten einigen zu können.

Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) wollte sich zum vorzeitigen Abgang der beiden BEWAG-Vorstände nicht äußern. Die BEWAG sei eine AG, man könne nicht dem Aufsichtsrat vorgreifen, hieß es aus dem Büro des Landeshauptmannes. Das Land Burgenland hält über die Burgenländische Landesholding einen Anteil von 51 Prozent am Energieversorger. 49 Prozent sind im Besitz der börsenotierten Burgenland Holding AG, an der die EVN als Hauptaktionär sowie der Verbund und die Wiener Stadtwerke beteiligt sind.

Nach den Auffassungsunterschieden zwischen Vorstand und Aufsichtsrat komme die Auflösung der Verträge nicht überraschend, ließ Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl (ÖVP) der APA ausrichten. Nun gehe es vor allem darum, dass in der BEWAG-Geschäftsführung ein nahtloser Übergang gefunden werde. Ihm sei wichtig, dass sich die BEWAG in den kommenden Jahren erfolgreich entwickle und eine sichere Stromversorgung garantiere. Außerdem erwarte er sich, dass die BEWAG weiterhin eine Vorreiterrolle beim Ausbau der Erneuerbaren Energie einnehme, so Steindl.

"Die BEWAG musste schon schwerere Verluste hinnehmen", kommentierte die FPÖ in einer Aussendung die Personalentscheidung. Man solle nun die Gunst der Stunde nutzen, um den Energieversorger zu entpolitisieren. Eine Privatisierung sei aus Sicht der Freiheitlichen "kein Tabu, im Gegenteil", so FP-Obmann Johann Tschürtz. Der FP-Chef ortet "die große Gefahr" darin, "dass SPÖ und ÖVP nun reine Befehlsempfänger in der BEWAG installieren, die das Unternehmen bis zum bitteren Ende ausbluten lassen, um das Kippen des Landeshaushaltes hinauszuzögern." Davor könne man nur warnen. In Bezug auf die finanziellen Umstände des vorzeitigen Abganges von Lukits und Münzenrieder erwarten sich die Freiheitlichen "volle Transparenz". (APA)

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