Peking schlägt versöhnliche Töne an

6. November 2010, 14:08
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Aber Raschere Yuan-Aufwertung kommt nicht infrage

Kyoto/Shanghai - China mäßigt im Streit über die Währungs- und Wirtschaftspolitik der USA seinen Ton. Nachdem die Volksrepublik die US-Regierung zuletzt frontal für die jüngste Geldspritze der Notenbank Fed angegriffen hatte, schlug Vize-Finanzminister Wang Jun am Samstag versöhnliche Töne an. Gleichzeitig sieht China aber keinen Spielraum für eine beschleunigte Aufwertung der heimischen Währung.

Ein Regierungsexperte sagte der Zeitung "China Securities Journal" (Samstag-Ausgabe), das Tempo werde im nächsten Jahr nicht viel höher sein als im laufenden. "Einige Unternehmen haben deutlich gemacht, dass sie eine Aufwertung des Yuan von maximal fünf bis sechs Prozent für bewältigbar halten. Das ist vernünftig", sagte der Forscher Li Jian, der für eine Denkfabrik des Handelsministeriums arbeitet. China hatte die starre Bindung des Yuan an den Dollar im Juni etwas gelockert. Seitdem hat der Kurs der chinesischen Währung 2,55 Prozent zugelegt.

Schock für Chinas Wirtschaft

Li betonte, eine deutliche Wechselkurs-Anpassung auf einen Schlag würde für die heimische Wirtschaft einen Schock bedeuten. Er verwies darauf, dass Chinas Exportindustrie im kommenden Jahr voraussichtlich eine schwache Nachfrage aus den USA und Europa zu verkraften habe. So dürfte sich das Wachstum der Ausfuhren 2011 auf unter 20 Prozent verlangsamen, sagte der Experte. In diesem Jahr werde der Anstieg voraussichtlich über dieser Marke liegen. Vor allem die USA werfen China vor, den Kurs des Yuan künstlich niedrig zu halten und sich damit unfaire Handelsvorteile zu schaffen.

Unter anderem weil sich die Erholung der Weltwirtschaft abschwächt, wird auch eine Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums erwartet. Dieses werde in den kommenden drei bis fünf Jahren auf etwa sieben Prozent sinken von erwarteten zehn Prozent 2010, sagte der Regierungsexperte Liu Shijin, der einem Forschungsinstitut des Staatsrates angehört. Er warnte zugleich vor wachsenden Inflationsgefahren für China in den kommenden Jahren als Folge der lockeren Geldpolitik in den USA.

"Jede Verbesserung der US-Wirtschaft spielt eine wichtige Rolle für die Erholung der globalen Konjunktur", sagte Wang am Rande eines Treffens der Finanzminister des asiatisch-pazifischen Raums im japanischen Kyoto. Doch auch Wang schloss sich der Kritik, die aus Deutschland und Brasilien kam, an. Große Wirtschaftsländer sollten vor einer exzessiven Geldmengenvermehrung zurückschrecken, sagte Wang. China werde die lockere Geldpolitik in den USA genau beobachten.

Probleme durch neue US-Geldspritze

China steht mit seiner Meinung nicht allein da. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble befand, die neue Geldspritze der US-Notenbank löse die Probleme des Landes nicht und zudem schürten die USA den Verdacht, gezielt den Dollarkurs nach unten zu drücken. Der Chef der brasilianischen Notenbank, Henrique Meirelles, sagte, die überschüssige Liquidität in den USA führe in anderen Ländern zu Problemen. Darüber müsse beim nächsten G-20-Gipfel in Südkorea gesprochen werden.

Die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer treffen einander am Donnerstag und Freitag zu ihrem fünften Gipfel. Die Finanzminister der Länder im asiatisch-pazifischen Raum bereiteten dieses Treffen mit vor, das sich hauptsächlich mit der Beseitigung von Handelsbilanz-Ungleichgewichten beschäftigen wird. (APA/Reuters)

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