iPhone-Boom beschert Deutscher Telekom Milliarden-Gewinn

4. November 2010, 15:54
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Telekom verdient überraschend mehr als im Vorjahr - iPhone und Datentarife füllen die Kassen

Dank Smartphone-Boom und Kosteneinsparungen hat die Deutsche Telekom ihren Gewinn im dritten Quartal auf eine Milliarde Euro gesteigert. Vor allem das iPhone hat sich reißend verkauft. Doch könnte der Erfolg bald zum Problem werden, da der Apple-Bestseller nach drei Jahren Exklusiv-Verkauf in Deutschland seit kurzem auch bei der Konkurrenz über die Ladentheke geht. Analysten befürchten, dass damit die hohen Margen im Mobilfunkgeschäft bald passe sein könnten und der Telekom ein Preiskrieg droht.

"Wir werden von dem starken Wachstumstrend mit Smartphones in Deutschland also weiter profitieren"

Vorstandschef Rene Obermann versuchte am Donnerstag die Nerven der Anleger und Kunden zu beruhigen. Die Telekom werde nicht von einem Tag auf den anderen aufhören, die Produkte des US-Konzerns Apple zu verkaufen. Zudem gebe es mittlerweile ebenbürtige Konkurrenzprodukte, etwa mit dem Google-Betriebssystem Android oder dem brandneuen Windows Phone 7 von Microsoft. "Wir werden von dem starken Wachstumstrend mit Smartphones in Deutschland also weiter profitieren", betonte Obermann in einer Telefonkonferenz.

Im zurückliegenden Vierteljahr hat das iPhone, die guten Geschäfte mit anderen Smartphones und den dazugehörigen Datentarifen der Telekom einen Schub verliehen. Im deutschen Mobilfunkgeschäft kletterte der Umsatz um zwei Prozent auf 2,2 Mrd. Euro. Auf dem hartumkämpften Telekommunikationsmarkt ist das viel. Allein die Datenumsätze im Mobilfunk zogen um 27 Prozent an. "Das ist einer der wenigen Lichtblicke", sagte Analyst Wolfgang Specht von der WestLB. Dazu trugen allein 400.000 verkaufte iPhones bei - so viele wie nie zuvor. Doch der Erfolg hatte seinen Preis. "Die Telekom hat vor dem Ende des Exklusivvertriebs noch mal extra viel ins Marketing gesteckt", erklärte Citi-Analyst Simon Weeden. Da gleichzeitig auch die Geschäfte in Südosteuropa schlechter liefen, sank der operative Gewinn (bereinigtes Ebitda), eine wichtige Kenngröße in der Branche, konzernweit um neun Prozent auf 5 Mrd. Euro.

Bremse

Börsianer ließen die Titel der Telekom links liegen. Die T-Aktie verlor 2,3 Prozent auf 10,23 Euro und war damit einer der größten Verlierer im deutschen Leitindex Dax.

Dank eines Tritts auf die Kostenbremse konnte Obermann aber den Überschuss im dritten Quartal um acht Prozent auf 1,04 Milliarden Euro steigern. Im Gegenzug wurden dafür 2010 bisher rund 1,7 Mrd. Euro eingespart - das Jahresziel von 2 Mrd. Euro dürfte übertroffen werden, erklärte die Telekom. Der Konzernumsatz sank um vier Prozent auf 15,6 Mrd. Euro. Der Rückgang ist auf die Entkonsolidierung der Mobilfunktochter in Großbritannien zurückzuführen. Die Telekom hatte T-Mobile UK Anfang April mit der France-Telecom-Tochter Orange UK zusammengelegt. Ohne diesen Effekt wäre der Umsatz um ein Prozent gestiegen.

2010 erwartet der Vorstand des rund 260.000 Mitarbeiter starken Bonner Konzerns unverändert einen Free Cash-Flow von 6,2 Mrd. Euro und 19,5 Mrd. Euro bereinigtes Ebitda. In den ersten neun Monaten lag diese Kennzahl bei 14,9 Mrd. Euro. (APA)

 

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