Bub am Zebrastreifen getötet: Teilbedingte Haft

4. November 2010, 13:19
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51-Jähriger muss für drei Monate ins Gefängnis - Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen

Jener Autofahrer, der am 18. Mai 2010 in Wien-Döbling einen achtjährigen Buben auf einem Zebrastreifen ungebremst überfahren und zu Tode gebracht hatte, muss für drei Monate ins Gefängnis. Der 51-jährige Gemüsehändler ist im Straflandesgericht wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, wovon ihm Richterin Minou Aigner neun Monate unter Setzung einer dreijährigen Probezeit auf Bewährung nachsah.

Darüber hinaus hat der Unglückslenker den Eltern des kleinen Fabian die Begräbniskosten zu ersetzen und für alle zukünftigen Kosten der Hinterbliebenen aus therapeutischen Behandlungen aufzukommen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der 51-Jährige erbat Bedenkzeit, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab. 

Darstellung des Fahrers

Der verurteilte Autofahrer sagte vor Gericht aus: "Ich fahre schon seit 36 Jahren und habe noch nie einen Unfall gehabt. Ich habe viele gefährliche Unfälle vermieden. Normalerweise sehe ich alles. Dieser Unfall war wirklich eine Falle." Entgegen seiner Darstellung am Unglücksort, wo er unmittelbar nach der Kollision aus dem Auto gesprungen war und geschrien hatte, er wäre eingeschlafen, versicherte er vor Gericht, dies wäre nicht der Fall gewesen: "Ich war ganz einfach unachtsam".

Für die Richterin stand fest, dass die übermäßige Einnahme eines blutdrucksenkenden Medikaments kausal für den Unfall war. Der 51-Jährige pflegt seit mehreren Jahren regelmäßig zwei Amlodipin-Tabletten pro Tag zu sich zu nehmen, obwohl der Hersteller ausdrücklich nur die Gabe von einer Tablette täglich empfiehlt. Außerdem wird vor Schläfrigkeit, Schwäche und kurzfristigem Bewusstseinsverlust als mögliche Nebenwirkungen gewarnt.

Medizinischer Sachverständiger spricht von "hohem Risiko"

Am Tag vor dem Unfall hatte der Gemüsehändler wie üblich morgens und abends zwei Kapseln eingenommen. Wie der Gerichtsmediziner Christian Reiter ausführte, lag damit zum Unfallzeitpunkt eine "Überdosierung" vor. "Dieses Dosierungskonzept ist mit einem sehr hohen Risiko behaftet, dass Nebenwirkungen auftreten", sagte der medizinische Sachverständige. Als mögliche Unfallursachen kamen für Reiter daher Unachtsamkeit, Einschlafen oder eine "arzneimittelbedingte Beeinträchtigung des Bewusstseinszustandes" infrage.

Obwohl der Angeklagte versicherte, das ihm von seinem Hausarzt verschriebene Medikament mache ihn nicht müde, bemerkte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung: "Sie haben sich damit in einen Zustand gebracht, der ihre Reaktionsfähigkeit und Ihre Fähigkeit, am Verkehr teilzunehmen, massiv reduziert hat". Folglich wurde 51-Jährige wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen schuldig erkannt hat, was im Unterschied zur "gewöhnlichen" fahrlässigen Tötung den Strafrahmen von einem auf drei Jahre erhöhte. (APA)

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