Voest-Dominanz stört Metallerrunde

3. November 2010, 17:29
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Nicht nur bei Betriebsräten wächst der Unmut über Besetzung des Verhandlungsteams

Wien - Am Freitag kommen die Metaller um 15 Uhr zum ultimativen Feilschen um Lohn- und Gehaltserhöhungen zusammen. Mit im Gepäck: Unmut über Verhandlungsführung und Zusammensetzung der - je nach Bedarf und Verfasstheit größeren oder kleineren - Verhandlungsteams.

Nicht nur auf Arbeitnehmerseite stößt insbesondere die Zusammensetzung der "Zwölferrunde" sauer auf, der zentralen Verhandlungsrunde. Der Grund: Von zwölf Arbeitnehmer-Verhandlern sind sechs Voestler oder haben zumindest einen Teil ihres Berufslebens bei der Voestalpine verbracht. Es sind dies Konzernbetriebsratschef Hans-Karl Schaller, Angestelltenbetriebsratschef Walter Hofstadler, VA-Stahl-Arbeiterbetriebsratschef Manred Hippold, Jürgen Michlmayr (ehemals Voest-Jugendvertrauensrat, seit 2005 Lehrlingsbeauftragter der Metallgewerkschaft), Josef Gritz (Arbeiterbetriebsrat Donawitz) und Karin Hörzing, in der VAStahl angestellt und SPÖ-Gemeinderätin in Linz.

Wiewohl unter den mehr als hundert Betriebsratsmitgliedern, die den Lohnabschluss jedes Jahr absegnen müssen, gewürdigt wird, dass die gewerkschaftlich hochgradig organisierten Voestler großes Stimmgewicht haben, eine derartige Vormacht scheint ihnen aber doch wenig repräsentativ. Offen kritisieren will das Ungleichgewicht niemand, im Off geht es aber zur Sache: "Wir streiten mit den Firmen über Überstundenzuschläge und Arbeitszeitverkürzung ,und die Voest muss Schichtarbeitern für die ersten fünf Überstunden keinen Aufschlag zahlen", argwöhnt der Betriebsrat eines mittelständischen Metallverarbeiters in Anspielung auf das "Solidaritätsprämienmodell".

Beim Soli-Modell reduziert die Voestalpine die Wochenarbeitszeit im Schichtbetrieb auf 32 Stunden. Fallen Überstunden an, bleiben die 5,5 bis zur 38,5-Stunden-Woche - wie immer bei Teilzeitkräften - ohne Zuschlag. Stellt die Voest im Gegenzug zur Arbeitszeitreduktion eines älteren Arbeitnehmers einen Lehrling oder Arbeitslosen ein, gleicht das Arbeitsmarktservice zwei Jahre lang einen Teil des Lohnverzichts aus. Danach sinkt das Einkommen (samt Zulagen) aliquot zur Arbeitszeit um zwölf Prozent. Bei den Jungen zahlt das AMS nichts zu, sie bleiben ewig Teilzeitkräfte.

Bei den Arbeitgebern sorgt die staatliche Lohn-Alimentation für einen börsennotierten Konzern seit geraumer Zeit für Unmut. Zumal die Voestalpine bei der Metallerrunde auf Arbeitgeberseite rund um Christoph Hinteregger (Doppelmayr) und Alfred Hintringer (Buntmetall Amstetten) durch Abwesenheit glänzt. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.11.2010)

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