Kroatische "Vermittlerin" im Prozess befragt

3. November 2010, 13:21
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Anwältin will nur Unterlagen weitergegeben und Bank vor Gericht vertreten haben

Graz - Der Prozess um die Leasing-Affäre der Hypo-Steiermark ist am Mittwoch mit der Befragung einer kroatischen Anwältin fortgesetzt worden, die laut den beiden Angeklagten eine Vermittlerrolle eingenommen haben soll. Die früheren Manager müssen sich wegen Untreue vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Helmut Wlasak) verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, riskante Geschäfte vor allem im süd- und osteuropäischen Raum betrieben und einen Schaden von 53,6 Mio. Euro verursacht zu haben.

Die 46-jährige Rechtsanwältin erklärte vor Gericht, dass sie in Kroatien lediglich Unterlagen für Leasinggeschäfte gesammelt und anschließend zur Prüfung an die beiden Angeklagten weitergeleitet habe. Nach einer erteilten Bewilligung sei es ihre Aufgabe gewesen, die Verträge aufzusetzen und bei allfälligen ausständigen Raten Mahnungen zu verschicken. Außerdem vertrat sie die Hypo bei Prozessen.

Klienten an Land gezogen habe sie jedoch nicht und auch die Bonitätsbeurteilung sei nicht in ihrer Hand gelegen, zumal sie ihren eigenen Angaben zufolge als Juristin nicht die nötigen Kenntnisse dafür gehabt hätte. Bezahlt wurde die Anwältin, gegen die in einem eigenen Verfahren seitens der Staatsanwaltschaft Graz in selbiger Sache ermittelt wird, mit zwei Prozent Provision, was sich anhand der steigenden Zahl an Verträgen für Richter Wlasak als "lukratives Geschäft" darstellte.

Fortsetzung nach zwei Monaten Pause

Der Prozess war am Mittwoch nach über zwei Monaten Pause fortgeführt worden. Auch am Donnerstag und Freitag stehen noch Einvernahmen anderer kroatischer "Vermittler" am Plan.

Am 12. April d.J. hatte Richter Wlasak begonnen, die Ost-Geschäfte der steirischen Hypo aufzuarbeiten. Die beiden Angeklagten hatten zu Beginn übereinstimmend bekundet, sich nicht schuldig zu fühlen. Dabei kristallisierte sich im Laufe der Zeit immer mehr heraus, dass der ehemalige Geschäftsführer jahrelang als "Leasing-Star" gegolten hat und seine zunächst guten Ergebnisse von der Bank in keiner Weise hinterfragt wurden.

Der Ex-Prokurist hat dagegen den Eindruck erweckt, vor lauter Arbeit nicht wirklich geprüft zu haben, in welche Richtung die Geschäfte liefen, und einfach die Anweisungen seines Vorgesetzen umgesetzt zu haben. Unter den bisher befragten Zeugen waren auch ehemalige Mitglieder des Vorstands. Diese betonten, der Ex-Geschäftsführer habe die Geschäfte in Kroatien und Bosnien von sich aus so emsig betrieben: "Die Leasing-Gesellschaften waren anfangs noch sehr, sehr selbstständig", beschrieb es einer der Zeugen und betonte, der Ex-Manager sei nicht "ins Cross-Border-Geschäft getrieben" worden: "Das kam von ihm." (APA)

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