Ölpest teurer als angenommen

2. November 2010, 20:14
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Unglück kostet 40 Milliarden Dollar

Wien - Der britische BP-Konzern rechnet nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko mit weitaus höheren Kosten als bisher. Die Ölpest nach der Explosion einer Bohrinsel vor der US-Küste im Frühjahr könne das Unternehmen mit fast 40 Milliarden US-Dollar (28,7 Mrd. Euro) belasten, erklärte BP-Chef Bob Dudley am Dienstag bei Vorlage der Geschäftszahlen für das dritte Quartal von Juli bis September.

Dies seien 7,7 Mrd. Dollar mehr als bisher angenommen. Ursache für den massiven Kostenanstieg seien Verzögerungen bei der Versiegelung des Bohrloches am Meeresgrund sowie höhere Ausgaben für die Reinigung der verschmutzten Küsten, für Rechtsverfahren und Schadenersatzansprüche.

BP stellt Rechnung aus

Die Kosten will das Unternehmen offenbar nicht allein tragen: Einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei zufolge hat BP dem japanischen Handelshaus Mitsui eine Rechnung in Höhe von 1,4 Milliarden Euro für die Kosten der Ölpest im Golf von Mexiko gesandt. Mitsui hält einen Anteil von zehn Prozent an der Ölquelle, die durch eine Explosion auf einer Bohrinsel wochenlang in das Meeresgebiet vor der US-Südküste ausströmte. Die Aktien des Handelshauses gaben 2,6 Prozent nach.

Mitsui hat bisher offen gelassen, ob es sich an der Begleichung der Schäden beteiligt. BP hat damit begonnen, Vermögenswerte zu verkaufen, um für die Kosten aufzukommen.

BP schreibt nach dem hohen Milliardenverlust im zweiten Quartal von April bis Juni mittlerweile wieder schwarze Zahlen, wie Konzernchef Dudley mitteilte. Insgesamt habe BP im dritten Quartal ein Plus von rund 1,79 Mrd. Dollar gemacht. Ob die Kosten für die Ölpest noch weiter steigen werden, sei allerdings offen. Die nun veranschlagten 39,9 Mrd. Dollar seien gegenwärtig die zuverlässigste Schätzung.

Im Golf von Mexiko waren nach der Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im April Behördenangaben zufolge rund 780 Millionen Liter Rohöl ausgelaufen. Damit ist das Unglück der größte Ölunfall der Geschichte. Der Ölfluss konnte erst Mitte Juli mit einer Abdeckhaube gestoppt werden. Die endgültige Versiegelung des Bohrlochs mit Zement dauerte noch bis Mitte September. (AFP, Reuters, red/DER STANDARD - Printausgabe, 3.11.2010)

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