Perforin, die "reinigende Waffe unseres Körpers"

3. November 2010, 11:45
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Forscher richten ihre Aufmerksamkeit auf ein potenzielles "Killer-Protein"

Sydney - Ein körpereigenes "Killer-Protein" weckt britischen und australischen Forschern zufolge Hoffnungen auf Fortschritte im Kampf gegen Krebs, Malaria und Diabetes. Das Eiweiß Perforin greife anormale Zellen im Körper an, sagte der Leiter des Forschungsprojekts, James Whisstock, von der Universität Monash im australischen Melbourne. Es bohre ein Loch in die Membran der kranken Zellen, um Enzyme hineinzulassen, welche diese Zellen zerstörten. "Perforin ist die reinigende Waffe unseres Körpers", sagte Whisstock. "Ohne es kann unser Immunsystem diese Zellen nicht zerstören."

Laut Whisstock konnten die Forscher mithilfe von extrem hochauflösenden Mikroskopen in Australien und am Londoner Birkbeck College die Struktur und Funktion von Perforin untersuchen. Dabei sei ein "mächtiges Molekül" zum Vorschein gekommen, welches bösartige oder infizierte Zellen angreife. Studien an Mäusen zeigten den Forschern zufolge einen Zusammenhang zwischen einem Perforin-Mangel und Leukämie sowie zwischen Perforin-Mangel und einem erhöhten Anteil bösartiger Zellen.

Angriff will in die richtige Richtung gelenkt werden

Die Studie liefert auch Erkenntnisse für Patienten mit Autoimmunkrankheiten wie Typ-1-Diabetes und für Transplantationspatienten: Die Wissenschafter fanden heraus, dass Perforin auch gesunde Zellen zerstören kann und dass es für die Abweisung organischer Zellen verantwortlich ist. "Jetzt, da wir wissen, wie es funktioniert, können wir die Nutzung für den Kampf gegen Krebs, Malaria und Diabetes anpassen", sagte Whisstock.

Sein Kollege Joe Trapani vom Krebszentrum Peter MacCallum in Melbourne sagte, die über zehn Jahre vorgenommene Studie habe gezeigt, dass die Struktur von Perforin der Struktur bakterieller Gifte wie Listerien oder Milzbrand ähnele. Das lasse darauf schließen, dass sich der menschliche Körper im Laufe der Evolution von Krankheiten Abwehrmethoden abgeschaut habe. Laut Trapani können die Erkenntnisse des Forscherteams nützlich sein im Kampf gegen Dritte-Welt-Krankheiten wie Malaria bis hin zu der "eher westlichen" Transplantationsmedizin. (APA)

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