Sanierung von Kriegsschäden erst in hundert Jahren

2. November 2010, 18:30
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Budgetmittel für Entschärfung von Altlasten werden umgeschichtet

Kein Mensch denkt heute noch an die Schäden aus dem preußisch-österreichischen Krieg von 1866. Aber noch in 100 Jahren wird man an der Sanierung eines Kriegsschadens aus dem Zweiten Weltkrieg kiefeln: Denn für die Sanierung des "Industriegeländes Moosbierbaum - Teilfläche Nord" wird frühestens dann Budget bereitstehen, fürchten die Grünen.

Das Gelände in Nachbarschaft des Kohlekraftwerks Dürnrohr war einst eine Raffinerie, im Weltkrieg wurde sie ausgebombt, seither sind 200.000 bis 300.000 Quadratmeter mit Kohlenwasserstoffen verunreinigt. "Die großflächigen Verunreinigungen des Untergrundes und des Grundwassers stellen eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar", heißt es im Katalog der 1950 Altlasten, die dringend saniert werden müssten.

Aber die Finanzierung ist laut dem in der Vorwoche ausgesendeten Budgetbegleitgesetz auf mehr als 100 Jahre unsicher. Selbst der von den Grünen - aufgrund der schon bisher bescheidenen Dotierung des Altlastensanierungsfonds errechnete - Sanierungszeitpunkt im Jahr 2107 ist nicht mehr zu halten. Denn im kommenden Jahr sollen aus dem Altlastensanierungsbeitrag 3,4 Millionen Euro ins allgemeine Budget abgezweigt werden, deckt Grünen-Umweltsprecherin Christiane Brunner auf.

"Und in den folgenden Jahren wird das noch schlimmer: Ab 2014 sollen 18, 4 Millionen für das Budget abgezwackt werden. Angeblich ist die Maßnahme befristet, dass sie tatsächlich ausläuft, kann aber keiner garantieren", sagt Brunner dem Standard. Das Ziel, alle Altlasten bis 2050 zu sanieren, habe die Koalition ja in gleicher Weise aufgegeben. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 3.11.2010)

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