Banken wollen A-Tec nur bis Jänner frisches Geld leihen

2. November 2010, 17:24
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Finanzierung im Gläubigerausschuss wackelt noch

Wien - So scharf, wie befürchtet, ist der am Dienstag seitens der Banken vorgelegte Gegenvorschlag für die Sanierung des Mischkonzerns A-Tec Industries doch nicht ausgefallen. Allerdings bietet er mit einer Brückenfinanzierung von rund hundert Millionen Euro bis Ende Jänner 2011 weit weniger Spielraum und vor allem Zeit für die Sanierung des A-Tec-Hauptproblemkinds Austrian Energy & Environment (AE&E), als der vom Gläubigerausschuss vorgelegte Vorschlag.

Letzterer sieht, wie mehrfach berichtet, je 70 Mio. Euro an neuen Kreditlinien und Haftungen seitens der Kreditgeber vor sowie zwölf Mio. Euro liquide Mittel aus der Verpfändung der Dividende der A-Tec-Tochter Montanwerke Brixlegg. Alles in allem mit Laufzeit bis Ende März 2012. Außerdem müssten A-Tec-Gründer und Vorstandschef Mirko Kovats und Co-Vorstandsdirektor Christian Schmidt insgesamt 25 Prozent ihrer A-Tec-Aktien verpfänden, womit sie nicht mehr bestimmende Aktionärsgruppe wären.

Werte

Darüber hinaus erstellt Wirtschaftsprüfer Deloitte Audit bis 20. November ein Gutachten, was die Einzelteile des Konzerns wert sind und ob den Gläubigern durch Zerschlagung und Verkauf auf eine höhere Schuldentilgungsquote hoffen könnten. Derzeit bietet die mit 677 Mio. Euro an Passiva (davon 375 Mio. Euro Haftungen, der Rest sind Bonds und Wandelschuldverschreibungen) verschuldete A-Tec-Holding nur die gesetzlich vorgeschriebene 30-prozentige Quote.

Was die Bankenvertreter von Sanierungsverwalter Matthias Schmidt noch wollen: mehr Sicherheiten und einen höheren Beitrag der Eigentümer. Wobei relativ ist, wer als Eigentümervertreter gelten kann. Denn betreffend die A-Tec-Hauptaktionärin, die Kovats nahestehende M.U.S.T Privatstiftung, ist Kovats um Distanz bemüht. Er hat sich seit Sommer aus der Liste der Begünstigten der M.U.S.T. streichen lassen. Den Gläubigern ließ er mehrfach über Anwälte ausrichten, dass er nicht ausreichend liquide Mittel für einen nennenswerten Sanierungsbeitrag zur Verfügung habe.

Die gesamte Kreditlinie für den Anlagenbau beträgt rund 800 Mio. Euro. Zu den 15 Banken, die AE&E finanzieren, gehören Raiffeisen, Erste Bank, Deutsche Bank, Commerzbank, KBC und BNP Paribas. Billig ist die 100-Millionen-Brückenfinanzierung nicht, allein die Rückzahlungen werden mit 97 Mio. Euro angegeben. Gläubigerschützer plädieren eher für eine Sanierung der mit australischen Kraftwerksprojekten strauchelnden AE&E. "Der Anlagenbau macht mehr als die Hälfte des A-Tec-Umsatzes", sagt Daniel Pfeiffer von Creditreform, "eine Sanierung würde wohl lohnen." (ung, DER STANDARD, Printausgabe, 3.11.2010)

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