Salamitaktik gescheitert

1. November 2010, 18:48
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Mittels Salamitaktik setzte das Land Oberösterreich alles daran, den Bau durchzuboxen

Das Erstaunen in Oberösterreich darüber, dass die Linzer Stadtautobahn in der dimensionierten Größe nicht gebaut werden kann, verwundert. War doch bereits im Frühjahr klar, dass die Asfinag wegen Mindereinnahmen bei der Maut und des Sparkurses der Regierung ihr großzügig angelegtes Bauprogramm abspecken wird müssen. Allein bei der Stadtautobahn sind die Kosten in der zehnjährigen Planungsphase explodiert, von einer knappen halben auf mittlerweile mehr als eine Milliarde Euro.

Mittels Salamitaktik setzte das Land Oberösterreich alles daran, den Bau durchzuboxen. Zuerst einmal einigte man sich mit Wien, nur den Südteil der Autobahn zu errichten. Als dieser im Frühjahr zur Disposition stand, servierte das Land im Sommer noch kleinere Portionen. Bei allem sturen Bemühen des Landes, sein Prestigeobjekt zu retten, hat man aber den Blick für das Ganze verloren.

Tatsächlich gehört der Linzer Zentralraum entstaut. Ganz außer Acht gelassen wurden dabei jedoch Alternativen. Seit Jahren gibt es für den Ausbau der Öffis einen Generalverkehrsplan. Die Umsetzung ist bis heute nicht in Angriff genommen worden. Auch die jetzt von Bures vorgeschlagene Variante, eine finanzierbare einfache Straße zu realisieren, wurde reflexartig vom Land abgeschmettert. Vielmehr kündigte man an, mit dem Bund auf Konfrontation zu gehen. Die Pendler aus dem Mühlviertel werden wohl noch jahrelang in die Landeshauptstadt stauen. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, Printausgabe, 2.11.2010)

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