Narwale als schwimmende Thermometer eingesetzt

7. November 2010, 20:21
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Meeressäuger helfen dabei, ein "gigantisches beschämendes Loch" in der Datenlage zu schließen

Seattle - Löcher in der Datenlage sind nie wünschenswert - und ist eines davon eineinhalbmal so groß wie die Ostsee, dann kann man ruhig von einem "gigantischen beschämenden Loch" sprechen, wie es der Ozeanograph Mike Steele von der Universität in Seattle im Wissenschaftsmagazin "Nature" tut. Mit besagtem Loch ist die zwischen Grönland und Kanada gelegene Baffin Bay gemeint, von der es bislang nicht genug Daten über die Temperaturen während des Winters gab - Meeressäuger sprangen nun in die Bresche.

Nutzbares Verhalten

In der Regel werden die Meerestemperaturen gemessen, indem man entweder von Forschungsschiffen oder Helikoptern Messinstrumente ins Wasser tunkt oder indem man ein Forscherteam auf dem Packeis absetzt, um über einen längeren Zeitraum regelmäßig Messungen vorzunehmen. Da die Baffin Bay aber im Winter ausgesprochen unwirtlich ist, sind beide Optionen problematisch. Narwale hingegen - Delfinverwandte mit einem charakteristisch extrem verlängerten Eckzahn - fühlen sich hier so wohl, dass sie das ganze Jahr über nördlich des Polarkreises bleiben. Die vier bis fünf Meter langen Tiere wurden im Sommer kurz eingefangen, mit einem Messgerät versehen, das in etwa die Größe der Schachtel eines Kartenspiels hat - und schon war das schwimmende Thermometer mit Satellitenanschluss einsatzbereit.

Einmal mehr machten sich Forscher damit die Eigenschaften von Meeressäugern zunutze. Zuvor wurden unter anderem schon Seeelefanten, die bis auf 2.000 Meter Tiefe abtauchen, "instrumentalisiert" - Bartrobben hingegen machte die Angewohnheit interessant, in die grönländischen Fjorde hineinzuschwimmen und damit eine weitere geografische Lücke im Messnetz zu schließen.

14 Narwale wurden solcherart über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg eingesetzt. Ihre Messungen zeigten unter anderem, dass die Wintertemperaturen um 0,9 Grad höher lagen als gedacht - was zuvor allerdings nur auf Schätzungen beruhen konnte, indem man an der Küste gewonnene Messergebnisse mit anderen Daten verglich. Außerdem bestätigten die Ergebnisse, dass die Erwärmung der arktischen Gewässer Sommers wie Winters voranschreitet. (red)

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    Kein Thermometer, das man sich unter die Achsel (oder sonstwohin) stecken möchte: Narwale beschaffen Klimadaten.

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