Verbreiteter Kunststoff-Bestandteil verringert Spermaqualität

30. Oktober 2010, 17:12
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US-Forscher erhoben Werte von Bisphenol A im Harn - Chemikalie nahezu omnipräsent

New York - Die allgegenwärtige Chemikalie Bisphenol A (BPA) schädigt offenbar die Fruchtbarkeit von Männern: Eine Studie in China zeigt, dass hohe BPA-Belastungen bei Männern die Samenqualität deutlich verschlechtern. Die Mitarbeiter des US-Gesundheitsfürsorgers Kaiser Permanente hatten zuvor schon wiederholt bei amerikanischen Männern festgestellt, dass der Stoff, der ähnlich wirkt wie das weibliche Sexualhormon Östrogen, auch das Sexualleben beeinträchtigt.

US-Forscher verglichen bei 218 chinesischen Arbeitern die BPA-Werte im Harn mit der Spermaqualität. Resultat: Höhere Konzentrationen der Chemikalie steigerten das Risiko für eine schlechte Samenqualität um das Zwei- bis Vierfache, wie die Wissenschafter im Fachblatt "Fertility and Sterility" schreiben. Darunter litt sowohl die Konzentration der Spermien als auch ihre zur Befruchtung wichtige Vitalität und Mobilität. Etliche Forscher befürchten, dass von dem Bisphenol A weitere Gesundheitsgefahren für Männer und Frauen ausgehen, darunter Diabetes oder verschiedene Krebserkrankungen.

Omnipräsent

Das zum Härten von Plastik genutzte BPA ist einer der meistverwendeten Industriestoffe mit weltweiten Umsätzen in Milliardenhöhe. Die Substanz steckt unter anderem in Lebensmittelverpackungen, Zahnfüllungen, CD-Hüllen, Baumaterialien oder in der Auskleidung mancher Babyfläschchen. Darüberhinaus ist BPA auch in sogenanntem Thermopapier enthalten, das unter anderem für Kassazettel, Tickets und Belege verwendet wird. Der Stoff entweicht mit der Zeit in die Umwelt und ist auch im Urin nachweisbar.

... und er kann einer parallel dazu veröffentlichten Studie französischer Wissenschafter zufolge auch über die Haut in den menschlichen Organismus gelangen. In Testreihen sei "erstmals nachgewiesen worden, dass die Haut wahrscheinlich ein weiteres Eingangstor für BPA darstellt", teilte die Forschergruppe von Frankreichs Nationalem Institut für Agrarforschung (INRA) mit. Ihre Versuche nahmen die Wissenschafter dabei an Schweineohren vor, die in ihrer Zellbeschaffenheit der menschlichen Haut ähneln. (APA/red)

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    BPA-Quellen müssen noch nicht einmal als Kunststoff erkennbar sein: Oft spuckt Ihnen auch ein Drucker Papier entgegen, das mit der Chemikalie versetzt ist.

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