Ein Muezzin im Land der Glocken

28. Oktober 2010, 19:26
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Drei Moscheen in Österreich - Minarett als Reizthema

Wien - Es war am Neujahrstag des islamischen Kalenderjahres, als in Wien-Floridsdorf Glaubensgeschichte geschrieben wurde. Am 20. November 1979 wurde im Beisein des damaligen Bundeskanzlers Bruno Kreisky und Kardinal Franz Königs Österreichs erste Moschee eröffnet. Bis heute ist sie die einzige Moschee in der Bundeshauptstadt - neben rund 50 islamischen Gebetsstätten. Und es ist die einzige Moschee Österreichs mit einem Muezzin.

Insgesamt gibt es österreichweit drei weitere Moscheen mit Minarett: Im Salzburger Saalfelden seit dem Jahr 2003, im Tiroler Telfs seit 2006 und im niederösterreichischen Bad Vöslau seit 2009. Doch Bau und Planung islamischer Gebetshäuser gehen meist mit hitzigen Debatten einher. Gegen die ursprünglichen Pläne der Moscheegemeinde Telfs, ein 20 Meter hohes Minarett an die bestehende Moschee anzubauen, sammelten die Gegner 2500 Unterschriften, woraufhin Bürgermeister Stefan Opperer die Errichtung des Minaretts unter der Auflage eines Beschallungsverbots genehmigte. Die Höhe des Minaretts wurde auf 15 Meter reduziert.

Doch nicht zwingend sind es die Gegner, die einen Bau verhindern. In Linz etwa konnten sich muslimische Vertreter nicht auf eine entsprechende Finanzierung eines islamischen Kulturzentrums samt Gebetsraum einigen. Der Linzer Gemeinderat hatte hingegen eine entsprechende Umwidmung des 6000 Quadratmeter großen Areals beschlossen.

In Graz gibt es zwei konkrete Projekte: Die türkische Gemeinde plant ein muslimisches Kulturzentrum, die Eröffnung ist für 2011 geplant. Ein weiteres Zentrum hat die bosnischen Gemeinde im Auge. Hier gehen die Pläne in Richtung Moschee. Es sei auch ein Minarett vorgesehen. (mro/DER STANDARD, Printausgabe, 29. Oktober 2010)

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