100 Millionen Jahre Winterschlaf

1. November 2010, 17:35
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Thermophile Bakterien schlummern über sehr lange Zeiträume im Sediment des arktischen Meeresbodens

Newcastle - Ein Forscherteam um Casey Hubert von der Geosciences Group an der Newcastle University machte sich in die Arkits auf, um Organismen zu finden, die in der Kälte gedeihen, allerdings unter wärmeren Temperaturen sterben. Gefunden haben sie am Meeresboden vor der Küste Spitzbergens das genaue Gegenteil: Thermophile, also hitzeliebende, Bakterien. Diese existieren im Sediment als Sporen und keimen erst bei Temperaturen um 50 Grad Celsius aus.

Da solche Temperaturen in der Region nicht gerade an der Tagesordnung stehen, müssen die Firmicutes-Bakterien allerdings oft lange Zeiträume in Sporenform überdauern - mit einer Überwinterungszeit von bis zu 100 Millionen Jahren gehören sie zu den Organismen mit den längsten Lebenszyklen.

Die Verwandtschaft hat's wärmer

Ein Blick auf die Gensequenz der thermophilen Mikroben zeigte deutlich, dass sie mit Bakterien von Ökosystemen wie den warmen, sauerstoffarmen Tiefen der ozeanischen Kruste oder der Oberfläche von Ölreservoirs am nächsten verwandt sind. Daher stellte sich die Frage, wie diese Mikroben in die eisigen Tiefen der Arktis kamen.

Huberts Theorie geht dahin, dass aufsteigende Strömungen Bakterien aus den heißen Tiefen nach oben schleudern und diese anschließend in die kalten Gewässer der Arktis gelangen. Dort "schlafen" sie im stetig wachsenden Sediment, bis die Umgebung so warm ist, dass sie auskeimen können. Die Forscher konnten die höchste mikrobielle Aktivität bei Temperaturen um 20 Grad Celsius feststellen. Stärkere Aktivitäten waren auch im Bereich unter 40 und um 55 Grad feststellbar.(pte/red)

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