Physikerinnen als Role Models

27. Oktober 2010, 12:51
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Anna Frebel von der Harvard University war die diesjährige Referentin zum Thema "Die ältesten Sterne im Universum"

Innsbruck - Die Physikalischen Gesellschaften für Österreich und Deutschland veranstalten jährlich die Lise-Meitner-Lectures. Die nach der österreichischen Kernphysikerin benannte Veranstaltungsreihe wurde 2008 In Innsbruck ins Leben gerufen und fand in diesem Jahr in Innsbruck und Göttingen statt.

Am Mittwochabend machten sie in der Universitätsaula Station. Gastlektorin war die erst 30-jährige Astrophysikerin Anna Frebel, Harvard University, zum Thema: "Die ältesten Sterne im Universum und die chemische Entwicklung unserer Galaxie".

Kosmische Methusalems

Die kosmischen Methusalems, um die es in Frebels Vortrag ging, sind mehr als zehn Milliarden Jahre alt. Ihre Erforschung gibt Aufschluss darüber, wie nach dem Urknall die ersten Sterne entstanden. Der öffentliche Vortrag von Anna Frebel war die 3. Lise Meitner Lecture nach Mildred Dresselhaus vom MIT 2008 und Cecilia Jarlskog von der Universität Lund 2009. Frebel selbst zählt bereits jetzt zur Top-Liga der Himmelsforschung. Sie wuchs in Göttingen auf und arbeitet heute an der US-amerikanischen Harvard University.

Mehr Frauen in die MINT-Fächer

Das Ziel der Lectures ist die Erhöhung der Sichtbarkeit von erfolgreichen Frauen in Naturwissenschaften und Technik, die Hinführung von jungen Menschen, speziell Frauen, zu den Naturwissenschaften und der Abbau von Berührungsängsten in der Bevölkerung. Monika Ritsch-Marte vom Biozentrum der Medizinischen Universität Innsbruck ist Initiatorin und Koordinatorin der Vortragsserie für die Österreichische Seite.

Frauen sind in MINT-Fächern nach wie vor unterrepräsentiert: An Österreichs Universitäten und Fachhochschulen studieren zurzeit nur rund ein Drittel der StudentInnen ein MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Ein MINT-Erststudium abgeschlossen haben im Studienjahr 2008/09 an den Unis 5.600 Personen, an den FH 2.700. Bei StudienanfängerInnen wie auch bei den Abschlüssen an den Unis beträgt die Frauenquote allerdings nur rund ein Drittel, an den Fachhochschulen rund ein Fünftel. "Das ist eine Situation, mit der wir nicht zufrieden sein können", so Ritsch-Marte. "Sowohl im Studium als auch im Beruf müssen Bedingungen geschaffen werden, die es Frauen ermöglichen, ihr Interesse an der Physik zu entfalten und durchzuhalten. Bei diesem Vorhaben sind weibliche Vorbilder wie Anna Frebel ungemein wichtig."

Das Interesse für Physik und Naturwissenschaften könne und solle schon im Kindesalter gefördert werden. "Dazu möchten wir nicht nur die Kindergärten, sondern auch die Eltern aufrufen: Unterstützen Sie die natürliche Neugier Ihrer Kinder, wenn es um naturwissenschaftliche Fragen geht!", so die Quantenoptikerin Ritsch-Marte. Eine Maßnahme ist die Zusammenarbeit mit dem Landesschulrat für Tirol und die Einladung zu den Lise-Meitner-Lectures an Tirols PhysiklehrerInnen und ihre Klassen.

Ausstellung Lise Meitners Töchter

"Role Models" leisten einen wichtigen Beitrag, um SchülerInnen, Studierende und junge Menschen allgemein für MINT-Fächer und entsprechende Berufe zu begeistern. Die Role-Model-Ausstellung "Lise Meitners Töchter" ergänzt die Lectures nun seit Juli 2009 und steht bundesweit allen Einrichtungen, die junge Menschen für die Physik und MINT-Berufe begeistern möchten, kostenlos als Download auf dem DPG-Internetauftritt zur Verfügung. Die Ausstellung wird kontinuierlich um weitere Role Models erweitert.

Die einzelnen Poster sowie die gesamte Ausstellung können frei heruntergeladen werden. Wahlweise in einer gekürzten Version (zum Ausdruck auf einem herkömmlichen Drucker, empfohlen wird ein DIN-A3-Drucker) oder als Vollversion. (red)

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