Lorenz will "respektvolle" Show

20. Oktober 2010, 16:54
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"Keine Gladiatorenkämpfe" - Programmdirektor möchte "Herrn Bohlen nicht im Programm haben"

ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz wünscht sich bei "Helden von Morgen" einen "respektvollen Umgang" mit den Kandidaten. "Wir wollen keine öffentlichen Gladiatorenkämpfe", sagte er. Den Erfolg der Casting-Show "Das Supertalent" mit Dieter Bohlen neidet er RTL nicht, wie er sagte. "Ich möchte Herrn Bohlen nicht im Programm haben." Für allzu ausbeuterische Formate sei im ORF kein Platz, dies sei eine Entscheidung, die man gemeinsam im Haus gefällt habe.

Dass die Privaten auch in Österreich immer stärker mit Event-Fernsehen reüssieren können und den ORF in den Quoten teils überholen, wie beim "Supertalent", oder teils sehr nahe kommen, wie mit der ATV-Show "Bauer sucht Frau", sieht Lorenz relativ entspannt. "Die anderen machen Fernsehen, um damit Geld zu verdienen, wir machen mit Gebührengeldern ein möglichst gutes Programm", argumentierte er. "Bauer sucht Frau" sei aber eine gut gemachte Sendung, die Lorenz gerne auch im ORF sehen würde, wie er einräumte. Die Rechte seien allerdings damals nicht gekauft worden.

"Ich bin nicht dazu da, ein reiner Quotenproduzent zu sein", kommentierte Lorenz den Umstand, dass das RTL-"Supertalent" am Samstag die ORF-Show "Powerplay" abhängte. Vielmehr gelte es, "mit anständigem Programm einen möglichst großen Erfolg zu haben".

"Nicht verheizen"

Der Programmdirektor legt großen Wert darauf, dass die "Helden" nicht verheizt würden, wie er betonte. "Man kann seine Kandidaten zur Schau stellen und benutzen oder respektvoll mit ihnen umgehen", sagte er. Als Quotenvorbild für die "Helden von Morgen" nannte er "Starmania". Dass der Sieger für Österreich zum Eurovision Songcontest fahren wird, sei noch nicht fix, sagte er. "Das ist 'work in progress'". Alle Kandidaten seien aber ab sofort berechtigt, am Song Contest-Auswahlverfahren teilzunehmen.

Die ORF-"Helden von Morgen" gehen ab Freitag (22.10.) ins Rennen. In der ersten Liveshow treten 14 Amateurmusiker gegeneinander an, um mit einstudierten Songs die Herzen der Zuschauer zu erobern. Wer zu wenig Anklang findet, muss Adieu sagen: In jeder Sendung wird ein Kandidat verabschiedet. Dem Sieger winkt mit 100.000 Euro ein ordentliches Startpolster für eine ernsthafte Musikerkarriere. Die "Helden von Morgen" wohnen für die Zeit der Show gemeinsam in einer eigenen Wohnung beim ORF-Zentrum am Wiener Küniglberg. "Es ist sicher die musikalischste WG des Landes", sagte Moderatorin Doris Golpashin, die der ORF für die Show von Puls 4 auslieh.

Die Nachwuchskünstler wurden aus 2.235 Bewerbern ausgewählt und haben bis Ende Jänner Zeit, sich zu beweisen. Das Finale geht am 28. Jänner 2011 über die Bühne, dann werden "Heldin" oder "Held" feststehen. Zum Start wird die Geschlechterparität gewahrt: Jeweils sieben Kandidaten sind männlich bzw. weiblich. Unterstützt werden sie von zwei Coaches, die ihre Schützlinge aussuchen und mit Tipps aus der Praxis unter ihre Fittiche nehmen. Diese Woche sind es der deutsche Rapper Sido und Rainhard Fendrich.

Taibon-Nachfolge

An einer völlig anderen Baustelle hat Lorenz gemeinsam mit Infodirektor Elmar Oberhauser in naher Zukunft eine gewichtige Position nachzubesetzen, denn Programmplaner Werner Taibon verlässt den ORF mit 1. Jänner frühzeitig, DER STANDARD berichtete. Taibon habe das Handshake-Programm des ORF in Anspruch genommen, so Lorenz. "Es war ein kürzeres Zwischenspiel als geplant." Beide Direktoren haben bei der Nachbesetzung ein Mitspracherecht, sagte Lorenz. Man habe aber bereits "einen gemeinsamen Kandidaten" gefunden. (APA)

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    Moderatorin Doris Golpashin (Mitte) und die 14 Kandidaten für die neue ORF Live-Show "Helden von Morgen".

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