Trari trara Abzocke

19. Oktober 2010, 18:32
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Unser Verhältnis zur Post ist ein getrübtes - wegen ihres Noch-Monopols

Bis weit ins moderne Kommunikationszeitalter hinein litten die österreichischen Untertanen und -taninnen in österreichischen Postämtern unter von Beamten als beamtete Gnade verteilten beamteten Postdiensten. Heute ist das ganz anders, aus dem Bittsteller ist der Kunde geworden, aus dem Staatsdiener der postalische Serviceleister, und die allermeisten Angehörigen dieser Spezies sind wirklich freundliche und tüchtige Menschen, das sei hier betont. Es ist ja bitte kein Honiglecken, Leistungen an den Mann und die Frau bringen zu müssen, die mit "Trari trara" beworben werden.

Warum unser Verhältnis zur Post trotzdem ein getrübtes ist, hat damit zu tun, dass sie einen ihr verbliebenen Anachronismus knallhart gegen ihre Kunden einsetzt: ihr Noch-Monopol. Das darf etwa erleben, wer 2009 umgezogen ist und 2010 entscheidet, sich die Post auch noch ein zweites Jahr an die neue Adresse nachschicken zu lassen.

30 Euronen kostete dies 2009 für ein Jahr: Das ist recht günstig und eine Erhöhung durchaus einzusehen. Auf 47,60 Euro im Jahr 2010 ist es zwar ein prozentuell stattlicher Sprung, aber soll sein. Nur: Pakete und EMS-Briefe sind nicht mehr in der Nachsendeleistung enthalten, sie kosten extra "7 Euro für drei Monate", wie es - "trari trara" - verkauft wird. Sprich 28 Euro pro Jahr, das macht zusätzlich zu den 47,60 nach Adam Riese 75,60 - und von 30 Euro auf 75,60 ist es keine Erhöhung mehr, sondern Abzocke. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2010)

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