Kommunalwahlen: Parteien abgewählt

11. Oktober 2010, 19:10
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Neue Gemeinderäte: Schwarzer Kandidat in Stichwahl

Sie waren erfolgreich auch ohne Partei im Rücken: Die unabhängigen Kandidaten, für die bei den Kommunalwahlen in Slowenien rund 21 Prozent aller Wähler stimmten. Unter ihnen ist auch der Bürgermeister der Hauptstadt Ljubljana, Zoran Janković, der mit 65 Prozent Wählergunst in seinem Amt bestätigt wurde. Obwohl der Ex-Spitzenmanager der Supermarktkette Mercator in den vergangenen vier Jahren immer wieder wegen Ungereimtheiten bei seinen Megaprojekten wie dem Bau eines neuen Stadions kritisiert worden war.

Eine deutliche Schlappe musste hingegen die Partei von Premierminister Borut Pahor hinnehmen: So kamen die Sozialdemokraten gerade mal auf zwölf Prozent der Stimmen, während noch vor zwei Jahren bei der Parlamentswahl etwa 30 Prozent der Wähler für die Genossen gestimmt hatten. Die Pensionistenpartei DeSUS kam auf gut neun Prozent, die Liberaldemokratische Partei (LDS) auf etwa sieben Prozent - DeSUS und LDS gehören zur Vierer-Koalition von Pahor.

Opposition holt auf

An den Sozialdemokraten vorbeigezogen ist die konservative Slowenische Demokratische Partei (SDS) von Oppositionsführer und Ex-Premier Janez Jansa: Sie konnte 19 Prozent der Wählerstimmen für sich gewinnen. Die oppositionelle Volkspartei SLS brachte es auf gut neun Prozent.

In der zweitgrößten Stadt Maribor stehen sich die beiden Kandidaten von SLS und SDS in einem zweiten Wahlgang gegenüber, da keiner die erforderliche absolute Mehrheit erringen konnte. In Celje wurde SLS-Favorit Bojan Šrot zum vierten Mal in seinem Amt als Bürgermeister bestätigt. Die Wahlbeteiligung der 1,63 Millionen stimmberechtigten Slowenen war mit knapp 51 Prozent am Sonntag nicht überragend. Vor vier Jahren waren noch 58 Prozent der wahlberechtigten Slowenen wählen gegangen.

Für Schlagzeilen hatte im Vorfeld vor allem ein Kandidat gesorgt: Der aus Ghana stammende Mediziner Peter Bossman, der als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten nun erster Mann der Küstenstadt Piran werden möchte. Damit wäre er der erste schwarze Bürgermeister in der Region. Bossman brachte es auf 31 Prozent Stimmen, muss jedoch zur Stichwahl gegen den amtierenden Bürgermeister Tomaž Gantar antreten. Slowenische Medien haben Bossman aufgrund seiner Popularität bereits den "Obama von Piran" getauft.

Bossman lebt seit über 30 Jahren in Slowenien, wo er mit einem Stipendium der jugoslawischen Regierung seinerzeit Medizin studiert hatte. Der Arzt setzt vor allem auf junge Wähler, fordert freien Internetzugang für alle, will den E-Handel im Internet ankurbeln - und hat schon rund 1500 Fans auf seinem Facebook-Profil gesammelt.

Die Kandidatur Bossmans hat auch in den anderen Ländern des ehemaligen Jugoslawien für Schlagzeilen gesorgt. So schrieb die kroatische Zeitung Jutarnij list, dass sein möglicher Sieg eine neue Welle der Toleranz auf dem Balkan einläuten und die demokratische Entwicklung im ehemaligen Jugoslawien vorantreiben könnte. (Veronika Wengert aus Ljubljana/DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2010)

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