Physiker Walter Kutschera erhält Erwin-Schrödinger-Preis 2010

11. Oktober 2010, 15:11
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Mit 15.000 Euro dotierte ÖAW-Auszeichnung - Wilhelm-Hartel-Preis für Alfred Kohler

Wien - Der Wiener Experimentalphysiker Walter Kutschera (71) erhält den mit 15.000 Euro dotierten Erwin-Schrödinger-Preis 2010 der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Kutschera werde für seine Forschungsarbeiten zur Entwicklung und Anwendung der Beschleunigermassenspektrometrie ausgezeichnet, teilte die ÖAW in einer Aussendung am Montag mit. Der mit ebenfalls 15.000 Euro dotierte Wilhelm-Hartel-Preis der ÖAW geht an den Wiener Historiker Alfred Kohler (67).

Mittels Beschleunigermassenspektrometrie (AMS = Accelerator Mass Spectrometry) kann Probenmaterial quasi Atom für Atom zerlegt werden. Atome eines Elements mit unterschiedlich vielen Neutronen im Kern (Isotope) lassen sich so nach ihrer Masse sortieren. AMS wurde unter anderem angewendet, um das Turiner Grabtuch zu datieren, das Alter von Antarktischem Eis zu bestimmen oder die Lebensdaten des Eismannes "Ötzi" zu ermitteln. Kutschera verbrachte einen Großteil seines wissenschaftlichen Lebens im Ausland, unter anderen forschte er am Max-Planck-Institut für Nuklearphysik in Heidelberg, an der Technischen Universität München, an der Universität Tokio, am Weizmann Institut in Israel sowie die meiste Zeit am Argonne National Laboratory in Chicago (1978-1993). 1993 wurde er als Professor für Physik an die Universität Wien berufen, wo er die österreichische AMS-Anlage, den Vienna Environmental Research Accelerator (VERA), aufbaute und bis 2008 leitete.

Kohlers Forschungsschwerpunkt bildet die frühneuzeitliche Geschichte, insbesondere die habsburgische Politik des 16. Jahrhunderts. Er verfasste unter anderem wissenschaftliche Biografien zu Karl V. und dessen Bruder, Ferdinand I. Seit den 1980er Jahren beschäftigt sich Kohler vor allem mir spanischer und lateinamerikanischer Geschichte. In seinem Buch "Columbus und seine Zeit" ordnete er etwa die Biografie des Entdeckers unter Berücksichtigung ökonomischer und wissenschaftsgeschichtlicher Aspekte in den globalhistorischen Kontext ein. Seit 1992 ist Kohler Professor für Neuere Geschichte an der Universität Wien.

Preise an Nachwuchsforscher

Für außergewöhnliche Leistungen hat die ÖAW außerdem weitere Preise an Nachwuchsforscher vergeben: Dina Yanni wurde für ihre Arbeit zu Fragen der illegalen bzw. "geheimen" Migration geehrt, Agnes Grond für ihre Forschung zum Erwerb schriftkultureller Kompetenzen von Migranten in Österreich, Norbert Christian Wolf für die Interpretation von Robert Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" als Gesellschaftskonstruktion, Michael Portmann für seine Erforschung der kommunistischen Revolution in der Vojvodina in den Jahren 1944-1952 und Stefan Hagel für seine Arbeit zur musikalischen Praxis der griechischen Antike.

Kateryna Lypsetka wird für ihre Arbeit zur Anwendung von Enzymen auf Aldolreaktionen geehrt, Andelko Hrzenjak für die Erforschung der molekularen Pathogenese des endometrialen Stromasarkoms (Andelko Hrzenjak), Massimo Fornasier für numerische Simulationen im Bereich der Angewandten Mathematik und Franz Schuster für Bewertungen auf Räumen konvexer Körper in der Geometrie. Die Preise werden am 15. Oktober überreicht. (APA)

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