Berlinale-Retrospektive: Ingmar Bergman

8. Oktober 2010, 14:28
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"Gesamtkunstwerk" mit "moralischer Konsequenz"

Berlin - Das Werk des 2007 verstorbenen schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman, eines "Klassikers der Moderne", wird bei der Berlinale 2011 mit einer Retrospektive gewürdigt, teilte der Veranstalter der 61. Internationale Filmfestspiele Berlin vom 10. bis 20. Februar 2011 am Freitag in Berlin mit.

Das filmische Schaffen der Kinolegende umfasst über 60 Werke, darunter Filme wie "Das Schweigen", "Szenen einer Ehe" und "Fanny und Alexander". Bergman erhielt nahezu alle bedeutenden internationalen Filmpreise, darunter auch einen Goldenen Bären für "Wilde Erdbeeren" bei der Berlinale 1958. Er wird als Chronist der bürgerlichen Gesellschaft bezeichnet, der sich mit existenziellen Fragen des Individuums und seiner Beziehungen zu anderen Menschen auseinandersetzte.

Der Leiter der Retrospektive, Rainer Rother, der Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen ist, sagte: "Die künstlerische Produktivität Ingmar Bergmans ist staunenswert, entstanden ist dabei über die Jahrzehnte ein Werk, das immer neu und in seinem klaren Blick auf die Facetten menschlichen Verhaltens immer überzeugend war. Seine Filme sind Höhepunkte des europäischen Autorenfilms, ihre stilistische und moralische Konsequenz bleiben auch heute vorbildlich."

Das Werk Bergmans könne als "Gesamtkunstwerk" betrachtet werden: Zitate, Spiegelungen, Umkehrungen seien selbstreferentielle Stilmittel eines Regisseurs, der bei seiner Besetzung immer wieder auf ein bewährtes Ensemble zurückgriff. Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hob Bergmans Vielseitigkeit hervor sowie den Mut, mit gesellschaftlichen Tabus zu brechen. Bei der Retrospektive sollen sämtliche Kinofilme, darunter auch eher unbekannte Werke aus den 1940er und 1950er Jahren zu sehen sein sowie Beispiele seiner Arbeit als Drehbuchautor.

Hinzu kommen Dokumentationen des schwedischen Filmemachers und Bergman-Kenners Stig Björkman, der Bergman sowohl vor als auch hinter der Kamera porträtiert hat. Sämtliche Filme werden in Kooperation mit dem Schwedischen Filminstitut und dem Schwedischen Institut in neuwertigen Kopien gezeigt. Ergänzend zum Filmprogramm findet eine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen und Diskussionen statt.

Parallel zur Retrospektive zeigt die Deutsche Kinemathek die Ausstellung "Ingmar Bergman - Von Lüge und Wahrheit", die Mitte Jänner im Filmhaus am Potsdamer Platz eröffnet wird. Erstmals würden zahlreiche persönliche Dokumente und Arbeitszeugnisse aus Bergmans Nachlass präsentiert, heißt es in der Pressemitteilung. (APA/dapd)

 

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