Zuckerstange bei der Spaßarbeit

7. Oktober 2010, 17:08
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US-Superstar Katy Perry war auf professionell abgewickelten Kurzbesuch in der Wiener Arena

Als Pin-up im zuckerlrosa Schlaraffenland, das sich gerne auch ein wenig kess und anzüglich gibt, begeisterte sie ihre Fans.

Wien - Katy Perry hatte einen lebenslangen Traum: einmal auf einer 300 Kilo schweren Banane reiten. Bei den Grammys ging der Wunsch in Erfüllung, und Katy Superstar kann in Teenage Dream singen, ihr Boy gebe ihr das Gefühl, einen ebensolchen zu leben.

Das Like A Virgin einer neuen Generation, gesungen von einer Pastorentochter, die sich mit der kalkulierten Pseudoprovokation I Kissed A Girl 2008 auf den zweiten Popsternchenrang gleich hinter Lady Gaga hievte. Wo Wohlwollende bei dem Gesamtkunstwerk Gaga allerdings noch einen künstlerisch-intellektuellen Back-ground sehen können, sieht Perrys Auftreten vor allem nach einem aus: Arbeit.

Es geht darum, zu zeigen, dass Katy Perry den meisten Spaß auf der ganzen Welt hat. Dazu inszeniert sie sich als freches Pin-up im zuckerlrosa Schlaraffenland, dem die Lutscher in den Mund fliegen. Um uns Normalsterblichen an diesen Freuden teilhaben zu lassen, kommen ihr im Musikvideo nicht, wie bei Gaga, Funken aus dem Bustier, sondern Unmengen an Schlagobers. Katy unser, die Madonna lactans.

In der Wiener Arena, wo Perry diesen Mittwoch ein Kurzkonzert gab, waren eigene Hostessen angestellt, um Kariesverursachendes unters Volk zu bringen. Die Bühne war mit riesigen Softeisbechern und Schleckwerk verziert, das großteils durch Werbeaktionen zu Karten für den innerhalb von Minuten ausverkauften Auftritt gekommene Publikum bunt durchmischt. Unter Jubel zogen die fünfköpfige Band, zwei Schubidubis mit Zuckerwatteperücken und zwei Tänzerinnen mit Eis- tüten-BHs ein und skandierten I Want Candy.

Schließlich betrat auch Katy Perry die Bühne, in einem rot-weiß gestreiften Latexschlauch eindeutig als die Über-Zuckerstange zu erkennen. Mit Hot N Cold und I Kissed A Girl kamen die größten Hits gleich zu Beginn, zweites mit einem jazzigen Intro, das nicht wirklich funktionierte. In der folgenden knappen Stunde spielte man alle bekannten Nummern zuzüglich einiger Lieder vom aktuellen Album Teenage Dream.

Währenddessen schaute die Sängerin oft frech und streckte die Zunge heraus. Sehr ungezogen auch der Song Peacock ("I wanna see your peacock, -cock, -cock"), für den Katy ein leuchtendes Pfauenrad umgebunden bekam.

Höhe- wie Tiefpunkte waren sonst nicht auszumachen. Die in weißen Anzügen steckende Band spielte tadellos, der von den Zuckerwattedamen unterstütze Gesang Perrys war ebenso unauffällig. Dazwischen gab es noch gelegentliche Standchoreografien und im Hintergrund psychedelische Visuals von flirrenden Herzen und tanzenden Gummibären.

Für nächstes Jahr versprach Katy ihr erstes großes Österreichkonzert. Mehr wäre zwar ohnedies nicht nötig gewesen, es wird aber sicher solide. Denn wie sagte Frau Perry so vielsagend: "I'm a professional!" (Dorian Waller / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.10.2010)

 

  • Barbie-Puppe in klebrig süßem Ambiente: US-Star Katy Perry gab ihr kunterbuntes Österreich-Debüt in der Arena.
    foto: standard / christian fischer

    Barbie-Puppe in klebrig süßem Ambiente: US-Star Katy Perry gab ihr kunterbuntes Österreich-Debüt in der Arena.

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