"Immaterielles Kulturerbe": Festschützen, Sternsinger und die Wiener Bälle

5. Oktober 2010, 13:00
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Kommission betont "identitätsstiftende Funktion"

Wien - Die Ötztaler Mundart ist wahrscheinlich nur wenigen Menschen außerhalb Tirols geläufig. Gemeinsam mit elf weiteren lokalen Traditionen wurde der Dialekt nun nationales UNESCO-Kulturerbe, wie  in einer Pressekonferenz mitgeteilt wurde. Daneben finden sich auf der Liste für "Immaterielles Kulturerbe in Österreich" etwa das Wiener Dudeln sowie die in der Bundeshauptstadt veranstalteten Bälle, das Salzburger Festschützenwesen oder der Vorarlberger Funkensonntag. Die Präsidentin der österreichischen UNESCO-Kommission, Eva Nowotny, betonte die "identitätsstiftende Funktion der Einreichungen", die in der vergangenen Woche ausgewählt wurden.

Die Vorschläge kommen aus der Zivilgesellschaft und werden von einem mit Kulturanthropologen besetzten Fachbeirat (Nowotny: "Früher hätte man Volkskundler gesagt") nach internationalen Kriterien ausgewählt. Die Liste sei insofern wichtig, als das nationale Kulturerbe "von wesentlicher Bedeutung für die Wirtschaft und den Tourismus ist", wie die Präsidentin betonte. Neben der gemeinschaftsbildenden Funktion für die involvierten Personen ermöglichen die Bräuche Außenstehenden "den Eintritt in eine andere Lebenswelt".

Bunte Sammlung

Das Verzeichnis mache sichtbar, "wie vielfältig in einzelnen Regionen Kultur gelebt wird", meinte die Leiterin der Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe, Maria Walcher. So wurden diesmal etwa das Samsontragen im Lungau und im Bezirk Murau, die Heiligenbluter Sternsinger oder der traditionelle Ebenseer Glöckerlauf berücksichtigt. Viele Traditionen gäbe es in anderen Regionen natürlich in ähnlicher Form, betonte Walcher und verwies auf einen Unterschied zum materiellen Kulturerbe: "Kreative Veränderung ist notwendig und selbstverständlich." Die Schutzmaßnahmen dürften deshalb nicht aus reinen Konservierungsversuchen bestehen, sondern "einem bewussten Erhalten dieser Traditionen für die nächsten Generationen."

Zweifel hatte der Fachbeirat etwa bei der Aufnahme der Wiener Bälle, sind diese doch sehr weit verbreitet. Thomas Schäfer-Elmayer wies in diesem Zusammenhang auf die Einmaligkeit der heimischen Balltradition hin, "wird doch nirgends so lebendig gefeiert wie in Wien". Einen Mangel ortete Walcher hinsichtlich der Kategorie "Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur", zu der es diesmal keine Einreichungen gab. "Hier hat es einen Respektsverlust gegeben", den die Leiterin der Nationalagentur u.a. auf den technologischen Fortschritt zurückführte.

Gestartet wurde die Listenerstellung auf Basis "der vorläufig letzten großen Kulturschutzkonvention der UNESCO, die für uns im Juli 2009 in Kraft getreten ist", so Nowotny. Im Rahmen der ersten Ausschreibungsperiode wurden im März 2010 aus 20 Nominierungen 18 vom Fachbeirat ausgewählt, u.a. die Klassische Reitkunst der spanischen Hofreitschule, der Imster Schemenlauf oder die Falknerei. Diese drei Posten wurden von der heimischen UNESCO-Agentur auch für die internationale Liste nominiert. Eine Entscheidung über die Aufnahme sei noch ausständig, wie Walcher abschließend erklärte. "Deshalb haben wir aktuell auch neue Nominierungen auf kommenden März verschoben, da die UNESCO derzeit mit der Aufarbeitung nicht nachkommt." (APA)

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