Vater des toten Österreichers kritisiert Behörden

2. Oktober 2010, 13:53
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"Ich wusste nicht, dass mein Sohn im Gefängnis war" - Daten-Dealer fühlte sich offenbar sicher - Unklarheit über Bankdatensatz

Wien - Der Vater des in Schweizer Untersuchungshaft unter bisher ungeklärten Umständen verstorbenen Österreichers hat schwere Vorwürfe gegen die Schweizer Behörden erhoben. "Ich wusste nicht, dass mein Sohn im Gefängnis war. Niemand wurde darüber informiert. Das finde ich nicht richtig", sagte er gegenüber der Schweizer Tageszeitung "Sonntag". Der Vater verlangt jetzt Auskunft darüber, wie es dazu kommen konnte. "Das ist das mindeste, was die Schweiz jetzt noch tun kann".

Jeanette Balmer, Sprecherin der Schweizer Bundesanwaltschaft (BA), wollte sich nicht zu den Vorwürfen des Vaters äußern. Gegenüber dem "Sonntag" wies sie aber darauf hin, die BA habe mit der Publikation der Medienmitteilung zugewartet, "da zunächst die Angehörigen informiert werden mussten."

Verdacht auf Wirtschaftsspionage

Gegen den Mann führte die Bundesanwaltschaft seit Februar 2010 ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen Verdachts auf Wirtschaftsspionage. In gleichem Zusammenhang hat die BA in Deutschland um Rechtshilfe ersucht.

Der 42-jährige angebliche "Daten-Dealer" fühlte sich dem "Sonntag" zufolge offenbar sicher. Ein Freund berichtete, dass er ihn noch am Tag vor seiner Verhaftung in seinem Büro besucht habe. Er habe dabei völlig normal gewirkt. Sie hätten auch über das Geschäfts gesprochen, miit keiner Silbe habe er etwas von Steuerdaten erwähnt: "Einen Tag später war er weg, verschwunden."

Von einem "Mitarbeiter" des 42-Jährigen habe der Freund dann erfahren, dass die Bundeskriminalpolizei ihn abgeholt habe. "Weshalb er im Gefängnis saß, wusste ich bis zu seinem Tod nicht." Der Daten-Dealer war dem Freund zufolge ein bescheidener Mensch, der das Geld gar nicht nötig gehabt hätte, und kein Hacker. "Es ist mir aber ein Rätsel, wie er in diese Steuerdaten-Geschichte reinrutschen konnte", fuhr er fort.

Toter Österreicher nicht der CS-Datendieb

Die "NZZ am Sonntag" zitierte den auf Enthüllungen spezialisierten Reporter Hans Leyendecker von der "Süddeutschen Zeitung". Dieser vermutet, der verstorbene Wolfgang U. habe wohl eine andere Datensammlung geliefert als die gestohlenen Bankdaten der Großbank CS (Credit Suisse), die für 2,5 Millionen Schweizer Franken (1,86 Mio. Euro) an deutsche Steuerermittler vermittelt wurde. Laut Leyendecker könnten es beispielsweise jene Daten sein, die 2009 in Baden-Württemberg angeboten waren und schließlich vom Bund und dem Land Niedersachsen angekauft wurden.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte bestätigt, dass der Mann im Zusammenhang mit dem Datendiebstahl und -verkauf an Deutschland verhaftet worden sei. Einzelheiten gab sie keine bekannt. BA-Sprecherin Balmer sagte, das Verfahren der Bundesanwaltschaft dauere noch an. Der "NZZ am Sonntag" zufolge zeigt dies, dass neben dem 42-Jährigen noch weitere Personen in den Fall involviert sein müssen. (APA)

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