Michael Grabners ungewisse NHL-Zukunft

1. Oktober 2010, 16:19
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Heuer steht wohl nicht weniger als seine Zukunft in der besten Liga der Welt auf dem Spiel

Michael Grabner verbrachte seinen Sommer wie jedes Jahr in seiner Heimatstadt Villach. Dort staunte er nicht schlecht, als er in den frühen Morgenstunden des 26. Juni die Entwicklungen beim Entry Draft auf des Globus anderer Seite in Los Angeles verfolgte und dabei feststellen musste, dass er getradet wurde. Im Paket mit Steve Bernier und dem diesjährigen Erstrunden-Pick transferierte Vancouver seine Rechte nach Sunrise, Florida, und erhielt dafür Victor Oreskovich und den ehemaligen Vanek-Kollegen an der University of Minnesota, Keith Ballard.

Umbau im Sonnenaufgang

Für Grabner kam der Umzug aus der nordwestlichsten in die knapp 4.500 km entfernte südöstlichste NHL-Stadt überraschend und ohne Vorwarnung. Nicht zum ersten Mal, dass der 22jährige die harten Prinzipien des nordamerikanischen Sportsystems am eigenen Leib zu spüren bekam.

Die erste Verwunderung hat sich beim Österreicher gelegt, längst begreift er den Trade als jene Chance, die sie ist. Die Florida Panthers, im Vorjahr als Vorletzter der Eastern Conference elf Punkte von einem Play-Off-Platz entfernt, befinden sich im Umbau, im Kader stehen bedeutend weniger Angreifer von hoher Qualität als das noch in Vancouver der Fall war. Nicht ganz unberechtigt spekuliert Grabner daher mit einem Platz in einer der Scorer-Linien und adäquater Eiszeit im Powerplay. John Kreiser, Kolumnist auf nhl.com, hat ihn im Juli sogar in den erlauchten Kreis jener sieben Spieler, denen er 10/11 eine Breakout-Saison zutraut, aufgenommen.

29 Einsätze in der Rookie-Saison

So richtig gepasst hat es in Vancouver für Grabner sportlich nie, damit ging es ihm jedoch gleich wie vielen anderen Prospects der Franchise: Seit dem für die Canucks großen Draft 1999, als sie sich die Rechte an den beiden Sedin-Zwillingen sicherten, haben es mit Kesler und Umberger nur zwei Erstrunden-Picks des Teams zu einer andauernden NHL-Karriere gebracht. Grabner, der 2006 gezogen wurde und 2008 seinen Entry Level-Vertrag unterzeichnete, ist sogar der letzte Erstrunden-Pick Vancouvers, der es überhaupt zu Einsätzen in der NHL gebracht hat. Für hoch gehandelte Talente scheint es also karrieretechnisch bessere Umgebungen als die Küstenstadt in British Columbia zu geben. Auch der Abgang des ehemals als Spieler selbst in Villach tätigen General Manager Steve Tambellini, der den Grabner-Pick 2006 durchsetzte und große Stücke auf den jungen Kärntner hielt, erleichterte die Situation nicht unbedingt.

Als sich Michael Grabner im letzten Herbst endlich in den NHL-Kader hochgearbeitet hatte und dort zu adäquater Eiszeit kam, warf ihn eine unglückliche Verletzung (beim Fußballspielen zum Aufwärmen!) zurück - zunächst ins Krankenbett, später ins AHL-Farmteam. Er kämpfte sich zurück, kam jedoch kaum mehr an die Spielanteile aus der Zeit vor der Verletzung heran (siehe Grafik). Am Ende waren es 29 Einsätze und zwölf Scorerpunkte - angesichts von nur 9,38% Powerplay-Eiszeit im Saisonverlauf keine schlechte Ausbeute.

Letztes Vertragsjahr

Nach einem Jahr im hockeyverrückten Vancouver wird die Umstellung auf das gewöhnungsbedürftige Eishockeyklima in Südflorida keine leichte, für Michael Grabner bringt der Wechsel jedoch die große Chance, sich wirklich als NHL-Crack zu etablieren. Die Situation ist allerdings keine einfache, spielt er doch im letzten und mit 765.000 US-Dollar dotierten Jahr seines Entry Level-Vertrags. Kommenden Sommer wird er Restricted Free Agent sein, er muss das Management der Panthers also überzeugen, um einen neuen Vertrag zu erhalten. Dass sich ein anderes Team nach einer schwachen oder durchwachsenen Saison 10/11 um Grabner bemühen würde, ist sehr unwahrscheinlich, gilt Florida doch ohnehin als eines der nominell schwächsten Teams der Liga.

Obwohl erst 22 Jahre alt und noch ohne komplette NHL-Saison in der Biographie, steht Grabner wohl vor einer sehr entscheidenden Spielzeit seine zukünftige Nordamerika-Karriere betreffend. Das äußerst komplex aufgebaute, zugleich aber sehr treffsichere Statistik-Projekt VUKOTA von Puck Prospectus - grob beschrieben basierend auf individuellen Karrieredaten in Kombination mit historischem Material zu Spielern in vergleichbaren Situationen - prognostiziert für den gebürtigen Villacher in der kommenden Saison 39 Einsätze mit 20 Scorerpunkten. Werte, die wohl nicht für einen neuen NHL-Vertrag ausreichen würden. Es liegt an Michael Grabner, die Statistiker eines Besseren zu belehren. (derStandard.at; 1. Oktober 2010)

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    Im Trikot der Florida Panthers spielt Michael Grabner heuer um seine NHL-Zukunft.

  • Die Entwicklung seiner Spielanteile (Minuten Eiszeit pro Spiel) im Verlauf von Grabners erster NHL-Saison 09/10. Powerplay-Eiszeit in rot.

    Die Entwicklung seiner Spielanteile (Minuten Eiszeit pro Spiel) im Verlauf von Grabners erster NHL-Saison 09/10. Powerplay-Eiszeit in rot.

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