Mammutprozess um Marbella-Skandal eröffnet

27. September 2010, 17:07
2 Postings

95 Angeklagte sollen aus Nobelbadeort einen "Sumpf der Korruption" gemacht haben

Malaga - Vor einem Gericht in der südspanischen Metropole Malaga ist der Prozess um den großen Bestechungsskandal im Nobelbadeort Marbella eröffnet worden. Im größten Korruptionsprozess der spanischen Rechtsgeschichte müssen sich seit Montag 95 Angeklagte vor den Richtern verantworten. Dazu gehören die beiden Ex-Bürgermeister von Marbella, Marisol Yagüe und Julián Muñoz, frühere Stadträte, Bauunternehmer, Anwälte und ein Exfußballprofi.

Sie sollen ein weitverzweigtes Netzwerk gebildet haben, das den Badeort an der Costa del Sol in einen "Sumpf der Korruption" verwandelt hatte. Bis zur Aufdeckung des Skandals im Jahr 2006 soll die Stadtregierung von Marbella gegen Schmiergelder zahllose Baugenehmigungen gewährt haben, ohne auf Bebauungspläne oder landschaftliche Schutzgebiete Rücksicht zu nehmen.

Gesamter Stadtrat abgesetzt

Etwa ein Drittel der 80.000 Wohnungen in der Stadt dürften illegal errichtet worden sein. Die Korruption in der Stadt mit 120.000 Einwohnern hatte ein solches Ausmaß angenommen, dass im April 2006 die spanische Zentralregierung intervenierte und den gesamten Stadtrat absetzte. Es war in Spanien die erste Amtsenthebung einer gewählten Stadtregierung seit dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975).

Der Hauptangeklagte ist Juan Antonio Roca. Er war in Marbella die rechte Hand des 2004 verstorbenen Bürgermeisters und berüchtigten Baulöwen und Atlético-Madrid-Präsidenten Jesús Gil gewesen und hatte jahrelang die Baupolitik kontrolliert. Für ihn fordert die Staatsanwaltschaft 30 Jahre Haft. Der Prozess wird voraussichtlich über ein Jahr dauern. (dpa, rw/DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Polizist zeigt Ex-Bürgermeister Julián Muñoz wo es lang geht.

Share if you care.