Leere Wohnungen sollen unters Volk

24. September 2010, 17:11
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Kampagne „Platz da?!" will 80.000 leerstehende Räumlichkeiten nutzen

80.000 Wohnungen und Geschäftslokale würden im Moment in ganz Wien leer stehen. Von dieser Zahl gehen die Wiener Grünen aus, und auch Willi Hejda von der IG Kultur Wien hält daran fest: "Schon allein in meiner Umgebung stehen mindestens fünfzehn Geschäftslokale auf einer Straße leer. Wenn man das auf Wien hochrechnet, sind das sicher über tausend Lokale. Und inklusive Wohnungen wird die Zahl schon stimmen."

Ermittelt wurde die Zahl allerdings schon im Jahr 1995 vom "Infoservice Wohnen und Bauen", die damals Hauseigentümer befragt hatte. Die Validität der bezifferten 80.000 Räumlichkeiten wird jedoch sowohl von der Statistik Austria als auch von der Stadt Wien angezweifelt.

Kampagnenstart

In den Reihen der IG Kultur lässt man sich aufgrund dieser Zweifel nicht abhalten. Ganz im Gegenteil will man mit der Initiative: "Platz da?!"auf die Problematik des leerstehenden Wohnraums aufmerksam machen. Gestartet wird am 25. September mit einem sogenannten dezentralen Aktionstag in Wien. Gemeinsam mit anderen gemeinnützigen Initiativen wie dem Amerlinghaus, den österreichischen Sozialarbeitern oder der Aktion Schwarze Katze möchte man vor allem die Stadt Wien zu einem Umdenken bewegen.

Olga Zechner vom Berufsverband der SozialarbeiterInnen Wien sieht vor allem für Obdachlose und sozial schwache Menschen einen großen Bedarf an Wohnraum in Wien: "Vor allem wenn im Winter arme Leute aus Osteuropa bei uns eintreffen, die eigentlich keinen Anspruch auf soziale Unterstützung hätten, wird es eng."

Kritik am Fonds Soziales Wien

Außerdem stößt sich Zechner an der neuen Regelung des Fonds Soziales Wien, wonach jeder Obdachlose, der eine Notschlafstelle aufsucht, vier Euro pro Nacht bezahlen soll. "Das steht in keiner Relation zu den Kosten, die der Fonds mit diesen Stellen hat. Was die machen, ist schon lange nicht mehr sozial", sagt Zechner und rechnet vor, dass der Fonds mit einem Sechsbettzimmer über 700 Euro Einnahmen pro Monat lukriert. Die Vier-Euro-Gebühr hat auch in der Politik für Wirbel gesorgt, wie derStandard.at berichtete.

Wie man beim Fonds Soziales Wien auf Beschwerden reagiert, erzählt ein Augustinverkäufer, der schon mehrere Mails von Lesern bekommen hat, die ihm ihre Erfahrungen geschildert haben. Unter anderem soll eine Frau mit dem Artikel über die Nächtigungsgebühr, der im aktuellen Augustin erschienen ist, bei einer Fonds-Mitarbeiterin vorstellig geworden sein, um über die Situation zu sprechen. Die Mitarbeiterin wäre aber ausfällig geworden und hätte gesagt, dass sich jeder Obdachlose diese vier Euro leisten könne und es keine Ausreden gebe. Zechner zeigt sich schockiert über den Vorfall und meint, "dass man durch die vier Euro die Menschen wieder auf die Straße zurückdrängt."

Amerlinghaus: „Hoffnung, mehr nicht"

Mit der Kampagne "Platz da?!" sollen genau solche Probleme aufgezeigt werden - "und zwar so lange, bis sich was bewegt", so Karin Kuchler vom Kulturzentrum Amerlinghaus. "Deshalb hat die Kampagne auch kein Ablaufdatum. Wir machen weiter, bis uns die Luft ausgeht." Das könnte aber bald der Fall sein, denn das das Amerlinghaus steckt in schwerden Geldnöten, wie derStandard.at berichtete.

Allerdings hat sich nun auch Bürgermeister Micheal Häupl eingeschaltet und erklärt, dass die Existenz des Zentrums gesichert sei und die Probleme des Hauses in wenigen Tagen gelöst würden. Dem widerspricht Claudia Totschnig vom Verein Amerlinghaus: "Die Gespräche wurden von der Stadt Wien für dieses Jahr eigentlich als gescheitert abgeschlossen. Jetzt plötzlich gibt es wieder einen neuen Termin. Das gibt ein wenig Hoffnung. Mehr aber auch nicht." (Bianca Blei, derStandard.at, 23.9.2010)

Link zur Kampagne:

Platz da?!

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    Immer wieder macht vor allem die Aktion "Schwarze Katze" mit Hausbesetzungen auf die Problematik von leerstehenden Häusern aufmerksam.

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