Letzte Screenings im Grazer "NonStop"-Kino

23. September 2010, 13:07
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ÖBB erzwang Räumung: Mit dem 26. September Betriebsende in einem denkmalgeschützten "bedeutenden Dokument für die Kino-Architektur der 1950er Jahre"

Graz - Das "NonStop"-Kino am Grazer Hauptbahnhof zählte bei seiner Eröffnung in den 1950er Jahren zu den modernsten Lichtspielhäusern Österreichs - und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Letzte Vorführungen wird es am "Tag des Denkmals" am 26. September zu sehen, dann schließt es. Am 1. Oktober muss das Filmhaus geräumt sein, zwei Mitarbeiter verlieren ihren Job, die Nachnutzung des Gebäudes im Besitz der ÖBB ist ungewiss.

Im "NonStop"-Kino findet die feierliche Eröffnung des steirischen Denkmaltages (11.00 Uhr) statt. Anschließend wird Programm mit Wochenschauen aus den 1960er-Jahren "und ein bunter Mix aus allem, was hier immer gelaufen ist" geboten, so Betreiberin Bettina Aichbauer. Filme wie "Bambi", Karatestreifen, Prügelkomödien und Horrorfilme standen in den 1960ern und den 1970er-Jahren auf dem Programm, bis Ende der 70er Jahre auf Sexfilme umgesattelt wurde.

Die ÖBB, in deren Besitz sich das Gebäude befindet, hat über Jahre hinweg eine Räumung angestrengt, die noch diese Woche erfolgen sollte. Aufgrund des "Tag des Denkmals" wurde die Frist bis zum 1. Oktober aufgeschoben. Die Nutzung hat sich im Laufe der Jahre von einem Kino stark in Richtung Eventlocation verändert - so etwa trat Pete Doherty mehrmals auf. "Das alles war für den Bahnhofbetrieb - immer wieder gab es Probleme mit Besuchern, die auf den Bahnsteigen umherirrten - nicht mehr tragbar", begründete Walter Mocnik, der steirische Sprecher der ÖBB. Die Nachnutzung des Lichtspielhauses steht noch in den Sternen - wenigstens wurde das Kino kürzlich unter Denkmalschutz gestellt, eine flotte Planierung damit verhindert.

Das "NonStop" wurde 1957 von Walter Haslacher, dem Vater der heutigen Betreiberin, nach den Plänen von Architekt Fritz Ullrich errichtet. Anfangs wurden im 500 Personen fassenden Saal täglich von 10 bis 22 Uhr Wochenschauen gezeigt, "anschließend gab es Filme nonstop, das heißt, Besucher konnten zu jeder Zeit ein und aus gehen", erzählt Aichbauer. Die Einrichtung galt als hypermodern: Vor allem der großzügige Reihenabstand, die stark geneigte Bodenfläche, Schalldämmung, Heizung und Belüftung und die Kino-Technik waren am neuesten Stand.

Heute gilt das "NonStop" aus Sicht des Bundesdenkmalamtes "in seinem authentischem Erhaltungszustand und seiner für die Entstehungszeit typischen Gestaltung als bedeutendes Dokument für die Kino-Architektur der 1950er Jahre in Graz sowie überregional als charakteristisches Beispiel für ein Nonstop-Kino am Bahnhof". (APA)

 

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