"Faule Sau": Sirvan Ekici wehrt sich

23. September 2010, 10:43
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ÖVP-Gemeinderätin soll in Bezirksvertretungssitzung beleidigt worden sein - Christine Marek will "konsequent durchgreifen"

Sirvan Ekici ist enttäuscht. Natürlich mache sie ein Vorfall wie dieser "traurig". Es bestärke sie "umso mehr" ihren Weg fortzusetzen, sagt die Integrationssprecherin der Wiener ÖVP zu derStandard.at. Bei einer Bezirksvertretungssitzung der Währinger ÖVP habe ein Parteifreund Ekici, die nicht anwesend war, als "faule Sau" und "Scheiß-Türkin" beschimpft, wie die Tageszeitung "Heute" berichtete. Der bestreitet aber den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen, ein anderer Parteikollege hatte davon in einem Brief berichtet.

Marek: "Aussagen nichts in meiner Partei verloren"

Ekici selbst sagt: "Ich war nicht dabei, wenn es der Wahrheit entspricht, muss man entsprechende Konsequenzen ziehen." Christine Marek verspricht Aufklärung. Zu derStandard.at sagt die ÖVP-Spitzenkandidatin: "Ich habe mit allen Beteiligten gesprochen - auch mit Sirvan Ekici, denn es ist sehr verletzend, so etwas über sich in den Medien zu lesen. Ich würde sofort gegen solche Aussagen vorgehen, denn beleidigende oder ausländerfeindliche Wortmeldungen haben in meiner Wiener Volkspartei nichts verloren. Sollten solche Aussagen tatsächlich gefallen sein, werde ich konsequent durchgreifen."

Gleichzeitig betont Marek: "So inakzeptabel es ist, derartige Aussagen zu machen, so inakzeptabel ist es aber auch, solche Vorwürfe einfach anonym in den Raum zu stellen und damit einzelne Personen anzupatzen."

Jukic statt Ekici

ÖVP-Gemeinderätin Ekici hat diesen Sommer einiges mit ihrer Partei mitmachen müssen. Zuerst wurde sie auf Platz 15 der Landesliste gesetzt - ein Einzug in den Gemeinderat ist dadurch so gut wie unmöglich - dann wurde der Schwimmer Dinko Jukic angeworben, um in der kroatischen Community auf Stimmenfang zu gehen. Ihre Funktion wurde damit in Frage gestellt.

"Von nichts kommt auch nichts"

Auf die Frage, ob das der neue Wind der Marek-ÖVP sei, sagt die Integrationsbeauftragte der Wiener Schwarzen: "Nein, das darf es nicht geben." Räumt aber ein: "Von nichts kommt auch nichts." Es zeige, dass die Partei noch nicht dort sei, wo sie sein sollte. Für Ekici ist es wichtig, sich weiterhin für Migranten einzusetzen und für sie zu kämpfen. Durch so einen Vorfall möchte sie sich nicht entmutigen lassen, es gebe viele Leute in der Partei die sie unterstützen und ihr in den letzten Tagen auch ihre Solidarität ausgesprochen hätten. 

Getroffen habe sie vor allem die Aussage "faule Sau". Ihre Arbeit lasse sie sich nicht schlecht reden. Sie sei "alles andere als faul". (Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 23.9.2010)

  • Sirvan Ekici, derzeit noch ÖVP-Integrationssprecherin, wird nach der Wahl nicht mehr im Gemeinderat vertreten sein.
    foto: derstandard.at

    Sirvan Ekici, derzeit noch ÖVP-Integrationssprecherin, wird nach der Wahl nicht mehr im Gemeinderat vertreten sein.

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