Dieter Rampl

22. September 2010, 18:37
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Der Puppenspieler tritt aus dem Schatten

Er gleicht einem gütigen Großvater. Er ist verheiratet mit einer Bankkauffrau und Vater eines Sohnes, der in den USA studierte. Im Grunde genommen ist der 63-jährige Münchner Dieter Rampl aber nicht so gütig, sondern ein Machtmensch. Fünf Jahre lang stand er als Chairman von UniCredit im Schatten von Bankchef "Alexander dem Großen" . So wurde der Ex-Chef von UniCredit, Alessandro Profumo, allgemein genannt.

Nun ist er aus dem Schatten getreten und übernimmt gemeinsam mit anderen Managern, zumindest zeitweise, die Führung der Mailänder Großbank. Angeblich her er kein Interesse, das Amt lange zu führen.

Der frühere Vorstandssprecher der Hypo Vereinsbank wechselte 2005 nach deren Übernahme durch UniCredit in den Verwaltungsrat in Mailand und übernahm dessen Vorsitz. Der Kettenraucher Rampl wurde bei UniCredit lange Zeit unterschätzt. Als Vorstzender hatte er kaum Entscheidungsmöglichkeiten. Beim Tandem Profumo/Rampl kam ihm eher die Rolle des Abnickers zu. Zeitweise sah es so aus, als wollte Rampl aufgeben. Dies war aber reine Taktik.

Während der Finanzkrise hat die Zusammenarbeit zwischen Rampl und Profumo die ersten Risse erhalten. Als die erfolgsverwöhnten Großaktionäre von UniCredit wegen sinkender Dividenden, mäßiger Ergebnisse und wachsenden ausländischen Einflusses am Stuhl des Bankchefs zu sägen begannen, hat Rampl seine Gelegenheit erkannt. Er verhandelte mit den mächtigen Sparkassen-Stiftungen in Turin, Verona und Bologna. Mit Profumo gab es zwar keinen öffentlichen Streit, Rampl begann aber dessen One-Man-Führungsstil heftig zu kritisieren.

Die Aufstockung der libyschen Beteiligung im vergangenen Sommer war der offizielle Anlass zum Bruch. Denn der Einstieg der Libyer hat manch einen nationalistisch angehauchten Großaktionär, etwa die Sparkassenstiftung von Verona, auf die Barrikaden gebracht.

Als geschickter Puppenspieler konnte Rampl die deutschen und italienischen Großaktionäre überzeugen, dass bei UniCredit eine neue Ära angebrochen sei. Als Interims-CEO hat der deutsche Vorsitzende in Mailand derzeit das Sagen. Sicher ist, dass ihm der mächtige Chef des Versicherers Generali, Cesare Geronzi, nicht freundlich gesinnt ist. So wird ein neuer Machtkampf Rampl - Geronzi nicht ausgeschlossen. Fraglich ist, ob Rampl auch dem gekonnten politischen Intrigenspiel in Rom gewachsen ist. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.9.2010)

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    Dieter Rampl soll einen neuen Chef für die UniCredit suchen.

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