"Wollten ja nichts als die Heimat verteidigen"

19. September 2010, 17:29
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Das umstrittene Ulrichsberg-Treffen fand heuer am Kärntner Herzogstuhl statt

Klagenfurt - Die Creme der deutschen und österreichischen Neonazi-Szene war diesmal ausgeblieben. Auch die Teilnehmerzahl beim umstrittenen Kärntner Ulrichsberg-Treffen ehemaliger Kriegsveteranen war mit geschätzten rund 400 so gering wie noch nie. Dennoch fanden sich auch heuer wieder Rechtsextreme ein. Diese reisten unter anderem aus Deutschland, Italien, Flandern, Estland und Frankreich an. Auch einzelne Vertreter der Kameradschaft IV der Waffen-SS waren wieder mit dabei. Die Feier selbst wurde diesmal nicht wie bisher auf dem Ulrichsberg abgehalten, sondern auf dem Herzogstuhl, auf dem einst die Kärntner Herzöge proklamiert wurden. Dem Bundesheer hatte Verteidigungsminister Norbert Darabos die Teilnahme wegen mangelnder Abgrenzung zu NS-Gedankengut (im Vorjahr war ja ein Ulrichsberg-Funktionär, der mit NS-Devotionalien handelte, aufgeflogen) untersagt.

Problematisches war - geschickt verpackt und im Sinne des Verbotsgesetzes unangreifbar - dennoch präsent. So legte ein Grüppchen ostdeutscher Jungmänner mit markantem Kurzhaarschnitt einen Kranz am Herzogstuhl nieder. Auf der Schleife die von der SS instrumentalisierte Novalis-Verszeile: "Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu". Andere trugen mit Emblemen versehene Kleidungsstücke der Marke Thor Steinar, die als Erkennungszeichen in der Neonazi-Szene gelten und an den SS-General Felix Steiner erinnern sollen.

"Wir sind hergekommen, weil wir uns hier unter Gleichgesinnten befinden", meinte ein französischer Ulrichsbergler am Rande des Treffens: „Wir stehen für ein weißes Europa. Wir wollen uns nicht von den Afrikanern überschwemmen lassen."

Die Festredner bemühten sich indes, den Friedensgedanken des Kriegsheimkehrertreffens in den Mittelpunkt zu stellen. Ex-Minister Herbert Haupt (FPK) verwies darauf, dass es bei den Gefallenen aller Seiten „Täter und Opfer" gegeben habe. „Sie wollten ja nichts anderes als ihre Heimat verteidigen", meinte Landeshauptmann-Stellvertreter Uwe Scheuch (FPK).(Elisabeth Steiner/DER STANDARD Printausgabe, 20.9.2010)

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