Rechtsextreme Wanderung in die Steiermark

19. September 2010, 17:31
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Mitarbeiter des FPÖ-Parlamentsklubs organisiert die einschlägige "Schulungswoche" am Packer Stausee

Berlin/Graz - In der letzten Woche vor der Landtagswahl in der Steiermark gibt es nicht nur viele offizielle Veranstaltungen politischer Parteien im Land. Am Sonntag fanden sich Rechtsextreme aus Österreich und Deutschland zur "Andreas-Hofer-Wander- und Vortragswoche" ein. Die von der rechtsextremen "Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland" (JLO) zum achten Mal durchgeführte Tagung ist eine elitäre Schulungsveranstaltung, bei der neben Tagesausflügen vor allem Vorträge von Gastreferenten im Vordergrund stehen.

Nach Standard-Informationen trifft man sich bis 26. September, also dem Wahlsonntag, in einer Hütte am Packer Stausee, um Leuten wie den rechtsextremen Publizisten Richard Melisch und Alois Mitterer.

Organisator und Ansprechpartner der Veranstaltung ist heuer Jan Ackermeier - ein parlamentarischer Mitarbeiter des FPÖ-Nationalratsabgeordneten Harald Stefan.

Die JLO war bis 2000 die Jugendorganisation der "Landsmannschaft Ostpreußen" und hat auch Erfahrung im Ausrichten größerer Veranstaltungen. Seit 1999 organisiert sie den sogenannten "Trauermarsch" im Februar in Dresden, der sich zu einem der wichtigsten und größten Aufmärsche der Neonazi-Szene Europas entwickelte. Dieser wurde heuer erstmals von tausenden demonstrierenden Dresdnern verhindert.

Laut sächsischem Verfassungsschutz wird der "Trauermarsch" insbesondere von der rechtsextremistischen "Nationaldemokratischen Partei Deutschlands" (NPD) und von den neonationalsozialistischen "Freien Kräften" unterstützt und auch von Österreichs Rechten frequentiert.

Auf Nachfrage des Standard weiß Stefan nichts über die Umtriebe am Packer Stausee.

Stefan: Vernünftiger Mensch

Auch kenne er die JLO, wo Ackermeier Beisitzer im Bundesvorstand ist, nicht: "Ich kenne ihn schon lange, und er ist ein vernünftiger Mensch, ich werde ihn einmal fragen, was das ist." Mit dem Gedenken beim Dresdner "Trauermarsch" habe Stefan "kein Problem". Angesprochen auf die mitmarschierenden Neonazis räumt er aber ein: "Vielleicht sind die falschen Leute dort, das kann man sich nicht immer aussuchen."

Auch der steirische FPÖ-Spitzenkandidat Gerhard Kurzmann will nichts von der Vortrags- und Wanderwoche, die Stefans persönlicher Referent organisiert, wissen, auch nichts vom geplanten Graz-Ausflug der rund 25 Teilnehmer am Dienstag kurz vor der Wahl: "Ich habe keine Einladung, meine Termine sind dicht." (Maik Baumgärtner Colette M. Schmid/DER STANDARD Printausgabe, 20.9.2010)

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