Das sind alles unsere Kinder

19. September 2010, 00:50
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E. Nikes' "Ich mach dich tot"

Die Krisenzentren sind überfüllt, und es gibt viel zu wenige Wohngemeinschaften für Kinder, die nicht bei ihren Eltern leben können, heißt es in einer Presseaussendung am Montag. Und da liegt er auf dem Schreibtisch vor mir, ein schmaler Band mit dem Titel Ich mach dich tot. Der/die Autor(in) erzählt in Ich-Form die Geschichte der 13-jährigen Eva (den Namen erfährt man im letzten Wort des Buchs). Sie ist eines dieser Kinder, ihre Mutter ist drogensüchtig und außerstande, für sie zu sorgen.

Eva landet völlig unvorbereitet in einer Gemeinschaft mit - nun ja - sehr, sehr schwierigen Jugendlichen. Sie muss sich durchsetzen, und diese Schule des Lebens macht sie nicht besser: Der Satz "Ich mach dich tot" kommt letztlich aus ihrem Munde - wobei man eindeutig auf Notwehr gegen den "fiesen Kurti" plädiert - und ist nur einer der vielen schrecklichen Sätze, die in diesem Pandämonium fallen. Und Evas "Mutti", nach der sie sich tagein, tagaus sehnt, nützt in ihrer Drogensucht dann auch noch die Gefühle des Kindes aus und missbraucht es zum Dealen.

Die Vermutung liegt nahe, dass E. Nikes aus dem Betreuungsmilieu stammt - die staatlich eingesetzten Verwalter(innen) dieses sozialen Elends werden als durchwegs bemüht, aber überfordert geschildert. Wenn die Botschaft dieses Buches "Das sind alles unsere Kinder" heißt, ist sie angekommen. Die Hilflosigkeit bleibt. (Gudrun Harrer / DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.9.2010)

 

E. Nikes, "Ich mach dich tot". € 10,30 / 128 Seiten. Qantor Verlag, Wien 2010

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