Stalingrad-Vergleich: FP will Rücktritt von SP-Baxant

9. September 2010, 18:43
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Roter Jugendkoordinator will "die Nazis zurückschlagen" - VP und FP orten demokratische Defizite

Wien - Mobilisierung ist das große Thema des SP-Wahlkampfs für die Gemeinderatswahlen am 10. Oktober. Einen dementsprechend drastischen Vergleich stellte der Leiter der roten Jugendkampagne, Gemeinderat Peko Baxant, in der gestern, Donnerstag, erschienenen Ausgabe des Standard in Bezug auf den Wahltag an: "Es ist wie bei der Schlacht von Stalingrad: Entweder schlagen wir die Nazis zurück, oder sie überrollen uns."

Das erzürnt nun VP und FP. Der schwarze Landesgeschäftsführer Norbert Walter empfiehlt Baxant: "Lernen Sie Geschichte." Immerhin hätten in Stalingrad zwei totalitäre Systeme gegeneinander gekämpft. Überhaupt ähnle die Sprachwahl des jungen Roten "dem Niveau derer, die er bekämpfen will. Ich hoffe, dass das ein Ausreißer bleibt."

FP-Landesparteisekretär Hansjörg Jenewein geht noch weiter - und befindet Baxant für rücktrittsreif. Wer derartige Vergleiche im tagespolitischen Diskurs verwende, habe "schwere demokratische Defizite". Baxant solle außerdem klarstellen, wen er mit "den Nazis" meine und welche Rolle er, "der Herr Politoffizier", spiele: "Ist er für die Selektionen verantwortlich, oder spielt er die Rolle als Aufseher im Gulag? Hier könnte sich Baxant nach freiem Herzen austoben und ob seiner realsozialistischen Gesinnung einmal ordentlich die Sau rauslassen."

Jugendliche "postideologisch"

Ob derartiges Polit-Hickhack für den Jugendwahlkampf hilfreich ist, wurde bisher nicht erhoben; laut dem Institut für Jugendkulturforschung interessieren sich die Wiener Jungwähler besonders für die Themen Migration, Arbeitsmarkt und Bildung. Der Geschäftsführer des Instituts, Philipp Ikrath, bezeichnete diese Gruppe im Gespräch mit der APA als "postideologische Generation", die Begriffe wie "links" und "rechts" nicht verstünde.

Laut der Studie erreichen die Freiheitlichen Jugendliche durch die Ikonografie ihrer Wahlplakate oder Disco-Touren besonders gut. Der staatstragende Ton anderer Parteien komme hingegen nicht an: "Jugendliche wollen kein Geschwafel. Allgemeine, gesellschaftspolitische Statements sind nicht jugendgerecht." Die Internet-Aktivitäten der Politiker verfolgen Jungwähler laut Ikrath genau, sie hinterfragen sie aber auch: "Sie vermuten, teilweise zu Recht, dass PR- und Marketingagenturen dahinterstehen. Hier ist mehr Authentizität gefragt." (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2010)

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