Fidel: "Kubanisches Modell" funktioniert nicht mehr

9. September 2010, 07:46
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Selbstkritische Töne des Máximo Líder - Bruder Raul kündigte Lockerungen in Richtung Marktwirtschaft an

Havanna - Der frühere kubanische Präsident Fidel Castro hat laut einem Blog-Eintrag des US-Journalisten Jeffrey Goldberg das Scheitern des sozialistischen Modells in Kuba eingeräumt. Auf die Frage, ob es sich noch lohne, das kubanische Modell auf andere Länder zu übertragen, habe der 84-Jährige geantwortet: "Das kubanische Modell funktioniert selbst bei uns nicht mehr", schrieb Goldberg am Mittwoch. Damit zweifelt Castro aber nicht an der Sinnhaftigkeit der kubanischen Revolution, sonder meint die dominante Rolle des Staates in Kubas Wirtschaftssystem. Mit diesem Statement wolle Fidel seinem Bruder Handlungsfreiheit einräumen, die wirtschaftlichen Beschränkungen Kubas zu lockern.

Castro blickt auch auf seine Rolle während der Kubakrise 1962 zurück. Seine damalige Haltung tue ihm Leid. Rückblickend "war es das alles nicht wert".

Erst vor einem Monat hatte Präsident Raul Castro den Kubanern Lockerungen in Richtung Marktwirtschaft verkündet, um die sieche Wirtschaft anzukurbeln. In einer Rede vor der Nationalversammlung kündigte der Bruder und Nachfolger Fidel Castros an, dass Selbstständige leichter ihr Unternehmen anmelden könnten und dabei auch Arbeitskräfte einstellen dürften. Mit der Lockerung sollen nach Castros Vorstellungen neue Jobs für etwa eine Millionen Kubaner entstehen, die in den nächsten fünf Jahren ihre Arbeitsplätze in Staatsunternehmen verlieren dürften. Er nannte allerdings keine konkrete Zahlen, wie viele neue Zulassungen für Kleinunternehmer auf den Markt kommen sollten.

Wirtschaftsminister Marino Murillo hatte nach der Rede des Präsidenten umgehend betont, es gehe nicht um eine grundlegende Reform des sozialistischen Modells. Der Staat müsse die Kontrolle über die Wirtschaft behalten, zumindest über die wichtigsten Dinge. Goldberg und Castro haben auch über den Konflikt zwischen den USA und dem Iran geplaudert und eine Delfin-Show in Havanna besucht. (red/APA)

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    Fidel Castro wird altersmilde.

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