Roman Pfeffer: Drehen der Verweis-Spirale

8. September 2010, 18:31
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Selbst die Einladungskarte war ein Akt der Appropriation

Der Künstler wählte ein Sujet von Jonathan Monk: "Aneignung, Zerstörung, Transformation" in der Galerie Amer Abbas.

Wien – Bevor die Ausstellung Aneignung, Zerstörung, Transformation in der Galerie Amer Abbas zustande kam, hat Roman Pfeffer wohl einige E-Mails verfasst. Immerhin hat der Künstler neben einer Arbeit von Jonathan Monk auch ein Kunstwerk von Robert Rauschenberg appropriiert: Erased de Kooning Drawing, titelt dessen berühmt gewordene Arbeit, die 1953 im Ausradieren einer Grafitzeichnung des amerikanischen abstrakten Expressionisten Willem de Kooning bestand.

E-Mails ausgetauscht hat Pfeffer freilich nicht mit den Nachlassverwaltern des Künstlers, sondern mit der Kunsthistorikerin Manuela Ammer, die das Kunstwerk von Robert Rauschenberg in einen beschreibenden Text übersetzte. In der Ausstellung wird sowohl dieser Text von Ammer als auch eine Umformung davon durch Pfeffer präsentiert. Alles bis auf die Worte "eliminate the drawing" wurde vom Künstler wieder ausgelöscht.

Roman Pfeffer hat sich aber nicht nur mit der Geschichte und Sprache von künstlerischen Aneignungsgesten befasst, sondern zur Veranschaulichung von Sprache in Bildern auch sein eigenes Alphabet konstruiert. Dieses besteht aus verschieden hohen Balken, die in unterschiedlichen Farbabstufungen für jeweils einen der 26 arabischen Buchstaben stehen. Diese hat Pfeffer für ein Selbstportrait verwendet. Die selbst entworfenen rosafarbenen und gräulichen Balken ergeben seinen Namen, den er mit Klebefolie auf einen Spiegel geklebt hat.

Dass seine Übersetzungsarbeit einen ironischen Unterton hat, ist kaum zu übersehen, schließlich kann man sich als Betrachter im Spiegel beim Versuch beobachten, die Übersetzung seines Namens in Form der unterschiedlichen Streifen zu entziffern. Ohne Anleitung vermag das nicht zu gelingen.

In einer weiteren, als Serie konzipierten Arbeit kommen dann Jonathan Monk, Mark Rothko, Art & Language und auch der E-Mail-Verkehr des Künstlers wieder ins Spiel: 2006 hatte Jonathan Monk die Künstlergruppe Art & Language gebeten, ein Gemälde von Rothko in Sprache zu übersetzen.

Mit seiner Serie Correction of Monk's Mark Rothko dreht Pfeffer gemeinsam mit eingeladenen Malerfreunden weiter an dieser Verweis-Spirale, wobei schließlich jeder von ihnen seine eigenen, durchwegs konstruktiven "Korrekturen" durchgeführt hat. (Christa Benzer, DER STANDARD – Printausgabe, 9. September 2010)

  • Aneignung und Transformation: Arbeiten aus Roman Pfeffers Serie 
"Correction of Monk's Mark Rothko".
    foto: galerie amer abbas

    Aneignung und Transformation: Arbeiten aus Roman Pfeffers Serie "Correction of Monk's Mark Rothko".

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