Barbara Kappel: Straches Frau fürs Gehobene

7. September 2010, 19:00
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Barbara Kappel ist die blaue Quereinsteigerin von Thomas Prinzhorns Gnaden

Wien - Beim dritten Anlauf hat es endlich geklappt.Zwei Mal hat sich Barbara Kappel bereits für ein blaues Mandat beworben. 2006 wollte sie in den Nationalrat, 2009 ins EU-Parlament. Der erste Versuch scheiterte an ihrer damaligen Nicht-Parteimitgliedschaft, bei der EU-Wahl gingen sich nur zwei Mandate aus - Kappel saß auf dem dritten.

Diesmal konnte sich die Unternehmerin einen fixen Platz sichern. Kappel ist die Nummer sechs auf der FP-Liste für die Wien-Wahl. Sie gehört zu den vonStrache ernannten "Glorreichen Sieben" , die nach dem Debakel bei der Bundespräsidentenwahl mit Barbara Rosenkranz neues Stimmvolk anziehen soll. Die 45-Jährige leitet eine auf Technologie-Transfer spezialisierte Firma, die hauptsächlich in Osteuropa Geschäfte macht - und ist bisher politisch nicht groß aufgefallen. Bei der Wirtschaftskammerwahl im März trat sie mit der FPÖ-Liste Pro Mittelstand an und sitzt seither im Wiener Wirtschaftsparlament. Ein Insider beschreibt sie als "weiblichen Grasser" : "Ideologiefrei und bereit, um jeden Preis Karriere zu machen."

Als Karrierehelfer fungierte bisher vor allem Thomas Prinzhorn: Der ehemalige Nationalratspräsident machte sie unter Schwarz-Blau zu seiner Büroleiterin. Ihr Mann Joachim wurde als Management-Berater von der Regierung mehrfach mit Personalauswahl betraut. Sehr zum Ärger der Opposition: Statt der versprochenen Entpolitisierung staatsnaher Betriebe kämen nun die "Friends of Prinzhorn" zum Zug, lautete damals der Vorwurf.

Prinzhorn soll auch bei Kappels aktueller Kandidatur die Fäden ziehen: Gerüchten zufolge hat der Industrielle für Kappels Listenplatz eine kräftige Finanzspritze für den blauen Wahlkampf locker gemacht. "Alles Blödsinn" , sagt FP-Generalsekretär Herbert Kickl. Die künftige Gemeinderätin bezeichnet sich selbst als Mitte-Rechts stehend - und ist dennoch mit rechten FP-Hardlinern wie Andreas Mölzer und Johann Gudenus gut befreundet. Mit Parteichef Heinz-Christian Strache und der blauen Bildungsakademie hat sie eine Reihe von Auslandsreisen unternommen - unter anderem nach Russland und die Ukraine. Für Kappel ein Beweis, dass "die FPÖ eine sehr internationale Sicht der Dinge hat" .

Die Wiener-Blut-Kampagne sei da kein Widerspruch: "Über Geschmack lässt sich natürlich streiten" , sagt sie, "aber man darf im Wahlkampf nicht alles auf die Goldwaage legen." In den nächsten vier Wochen soll sich die zweifache Mutter im Wien-Wahlkampf um jene Themenbereiche kümmern, um die sich in der FPÖ bisher niemand gerissen hat: Wirtschafts- und Finanzpolitik. Dabei sind vor allem eine Reihe von Betriebsbesuchen vorgesehen. Kappels Kandidatur soll aber auch einSignal in Richtung politischer Konkurrenz sein. Denn in den letzten Jahren blockten die Wiener Blauen praktisch jede Zusammenarbeit im Gemeinderat ab. "Ich rede mit allen" , sagt sie, "ich habe da keine Ressentiments."

"Mehr Fremdsprachen"

Ob Kappel im Alleingang frischen Wind in die blaue Wiener Garde bringt, ist allerdings fraglich. "Eine Partei hat schon sehr viele Menschen gewandelt" , sagt der ehemalige blaue Nationalratsabgeordnete Detlev Neudeck - und spricht dabei aus Erfahrung. Der ehemalige Finanzreferent trat 2006 nach internen Querelen ums Geld aus der FPÖ aus. Heute ist erWien-Chef des Rings freiheitlicher Wirtschaftstreibender - jener Liste, von der sich Kappels Pro Mittelstand vor der Wirtschaftskammerwahl abgespalten hatte. Inzwischen macht man wieder gemeinsame Sache.

"Ich glaube, der Parteiapparat ist stärker als Frau Kappel" , sagt Neudeck. Derweil leistet sich diese noch ein paar eigene Ideale - und fordert mehr Fremdsprachenunterricht in der Schule. "Gerade inWien, wo wir so nahe an anderssprachigen Ländern sind."(Martina Stemmer, DER STANDARD, Printausgabe, 8.9.2010)

  • Unternehmerin Kappel kandidiert auf Platz sechs für die FPÖ.
    foto: der standard/urban

    Unternehmerin Kappel kandidiert auf Platz sechs für die FPÖ.

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