Österreich Bildungssystem auf einen Blick

7. September 2010, 11:22
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Die Ergebnisse in Kurzform

Wien - Im Folgenden Detailergebnisse für Österreich aus der heute, Dienstag, veröffentlichten OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2010" (Education at a Glance) in Kurzform:

AUSGABEN PRO SCHÜLER/STUDENT: Diese betrugen in Österreich 2007 von der Volksschule bis zur Hochschule kaufkraftbereinigt pro Kopf und Jahr durchschnittlich 10.974 US-Dollar - deutlich mehr als im OECD-Schnitt von 8.216 Dollar.

BILDUNGSAUSGABEN: Gemessen an der Wirtschaftsleistung sind Österreichs Bildungsausgaben stagnierend bis rückläufig. 2007 wurden 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Bildung aufgewendet, 1995 waren es noch 6,2 Prozent. In diesem Zeitraum sank der Anteil der Aufwendungen für den gesamten Schulbereich von 4,3 Prozent des BIP auf 3,6 Prozent, die Aufwendungen für den Tertiärbereich stagnierten bei 1,3 Prozent (1995: 1,2 Prozent). Der Anteil der Bildungsausgaben an den Gesamtausgaben der öffentlichen Hand hat sich in dieser Zeit von 10,8 Prozent auf 11,1 Prozent leicht erhöht.

BILDUNGSSTAND: Der Anteil von Personen mit Matura bzw. Lehrabschluss (Abschluss Sekundarstufe II) an den 25- bis 64-Jährigen stagniert seit 1997 in Österreich bei 63 Prozent (OECD-Schnitt 2008: 44 Prozent), ebenso der Anteil der Hochschulabsolventen an dieser Bevölkerungsgruppe mit 18 Prozent (OECD-Schnitt 2008: 28 Prozent).

BILDUNGSERTRAG - FÜR DEN EINZELNEN: Die Einkommen von Hochschulabsolventen liegen in Österreich um rund 80 Prozent (Männer) bzw. 70 Prozent (Frauen) über jenen von Absolventen des Sekundarbereichs II (Matura, Lehre). Im OECD-Schnitt beträgt der Unterschied 70 Prozent Männer bzw. 65 Prozent (Frauen).

BILDUNGSERTRAG - FÜR DEN STAAT: Durch höhere Steuer- und Sozialabgaben von Akademikern verdient der Staat selbst nach Abzug der für ein Hochschulstudium aufgewendeten öffentlichen Mittel (56.000 Dollar pro Student) 117.000 Dollar (kaufkraftbereinigt) pro männlichem Hochschulabsolvent, bei Akademikerinnen sind es 67.000 Dollar.

BESCHÄFTIGUNGSCHANCEN: Der Bildungsstand erhöht die Chancen auf einen Job: Die Beschäftigungsquote steigt vom Sekundarbereich I (Pflichtschulabschluss) von 66,7 Prozent (Männer) bzw. 50,2 Prozent (Frauen) auf 91,4 Prozent (Männer) bzw. 81,7 Prozent (Frauen) bei einem Hochschulabschluss.

KLASSENGRÖSSE: Die durchschnittliche Klassengröße lag 2008 in Österreich in der Volksschule bei 19,3 Kindern (OECD: 21,6) und im Sekundarbereich I (Hauptschule, AHS-Unterstufe) bei 23,4 Kindern (OECD: 23,9).

UNTERRICHTSZEIT - SCHÜLER: Sieben- bis Achtjährige saßen in Österreich 2008 kürzer in der Klasse als ihre Kollegen in den anderen Industriestaaten (690 Stunden pro Jahr gegenüber OECD-Schnitt 759), ebenso wie Neun- bis Elf-Jährige (Ö: 767 Stunden, OECD: 802). Dagegen dauerte der Pflichtunterricht für Zwölf- bis 14-Jährige in Österreich etwas länger als im OECD-Schnitt (Ö: 913 Stunden, OECD: 886).

UNTERRICHTSZEIT - LEHRER: In der Volksschule stehen österreichische Lehrer mit 779 Stunden etwa genauso lange in der Klasse wie im OECD-Schnitt (786). Im Bereich der Sekundarstufe I (Hauptschule, AHS-Unterstufe) sind die österreichischen Pädagogen mit 607 Stunden allerdings deutlich kürzer in der Klasse (OECD: 703 Stunden), ebenso in der Sekundarstufe II (Ö: 589 Stunden, OECD: 661 Stunden). Die gesetzliche bzw. vertragliche jährliche Gesamtarbeitszeit der Lehrer in Österreich ist mit 1.776 Stunden allerdings höher als im OECD-Schnitt (rund 1.660).

LEHRERGEHÄLTER: Die Lehrergehälter in Österreich lagen 2008 in der Volksschule mit jährlich 28.622 Dollar (kaufkraftbereinigt) am Anfang der Karriere im OECD-Schnitt (28.949 Dollar), das Höchstgehalt ist mit 56.709 Dollar deutlich höher als in den Industriestaaten (48.022). Im Sekundarbereich I (Hauptschule, AHS-Unterstufe) sind die Anfangsgehälter mit 29.928 Dollar leicht unterdurchschnittlich (OECD: 30.750), das Höchstgehalt mit 58.921 Dollar liegt dagegen deutlich über dem OECD-Schnitt von 50.649 Dollar. Ähnlich die Daten für den Sekundarbereich II (AHS-Oberstufe, BHS).

ANTEIL DER SCHÜLER AN PRIVATSCHULEN: Dieser liegt in allen Altersgruppen unter dem durchschnittlichen OECD-Niveau. Unter den Volksschülern besucht nur rund jeder Zwanzigste (5,4 Prozent) eine private Bildungseinrichtung (OECD: 8,1 Prozent). Im Sekundarbereich I (AHS-Unterstufe, Hauptschule) liegt der Anteil bei 8,5 Prozent (OECD: 10,9), im Sekundarbereich II (Höhere Schulen) sind es 10,6 Prozent (OECD: 13,6).

STUDIENANFÄNGERQUOTE: 50 Prozent eines Altersjahrgangs (Männer: 44 Prozent, Frauen: 56 Prozent) begannen 2008 ein Hochschulstudium. Im Jahr davor lag dieser Wert noch bei bei 42 Prozent. Bereinigt man diese Studienanfängerquote um die ausländischen Studenten, beginnen nur noch 39 Prozent eines Jahrgangs ein Studium. Im OECD-Schnitt gehen 56 Prozent eines Jahrgangs an eine Hochschule. Zwischen 1995 und 2008 hat die Studienanfängerquote in Österreich um 23 Prozentpunkte zugenommen, im OECD-Schnitt um 19 Prozentpunkte.

HOCHSCHULABSOLVENTEN: In Österreich schließen 25 Prozent eines Altersjahrgangs (Männer: 22 Prozent, Frauen: 28 Prozent) ein Hochschulstudium ab (Erstabschluss), im OECD-Schnitt 38 Prozent. Bereinigt man den österreichischen Wert um ausländische Studenten, sind es nur noch 22,5 Prozent eines Altersjahrgangs, die ein Studium abschließen. Von 1995 bis 2008 ist der Anteil der Hochschulabsolventen in Österreich um 15 Prozentpunkte gewachsen, im OECD-Schnitt um 18 Prozentpunkte.

INTERNATIONALE STUDENTEN: 15,5 Prozent der Studenten an heimischen Hochschulen kommen aus dem Ausland, nur in Australien (20,6) ist der Anteil noch größer. Den Bärenanteil unter den ausländischen Studenten stellen Deutsche (32,7 Prozent), gefolgt von Italienern (12,6), Türken (4,4) und Polen (3,1).

(APA)

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