Bio-Obst und -Gemüse im Fokus von Studien

6. September 2010, 11:17
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Bio-Lebensmittel nicht schmackhafter oder gesünder als konventionelle, haben aber weniger Pestizide - Europäische Großstudie hält dagegen

Düsseldorf - Fast in jedem Supermarkt und beim Discounter gibt es heute Produkte aus Bio-Anbau. Meist kosten sie mehr als herkömmliche Ware, aber bieten sie auch den erwarteten Mehrwert für Gesundheit und Gewissen? Zu erkennen sind Bio-Produkte am im Juli 2010 eingeführten EU-weiten Bio-Logo - einem durch Sterne stilisierten Blatt. Ergänzend dazu dürfen die bekannten Kennzeichnungen wie das deutsche Bio-Siegel oder die Siegel der Anbauverbände wie Bioland oder Demeter weiter verwendet werden.

Gründe für die Verbraucher, bei Bio-Produkten zuzugreifen, sind laut dem 'Ökobarometer 2008', einer Umfrage im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums, bei 78 Prozent der Befragten die gesunde Ernährung und bei zwei Drittel der Kunden der bessere Geschmack. Doch genau diesen Kaufmotive erteilen die Ergebnisse der 'Stiftung Warentest' eine Absage: Laut einer Auswertung von 85 Lebensmitteltests aus den vergangenen acht Jahren sind Bio-Lebensmittel nicht automatisch gesünder oder schmackhafter als konventionell erzeugte Produkte. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Untersuchung britischer Wissenschafter, die im Auftrag der FoodStandard Agency 2009 mehr als 150 Studien ausgewertet haben.

Mehr bioaktive Pflanzenstoffe, weniger Pestizide

Allerdings hält die europäische Großstudie QLIF dagegen: Hier fanden die Forscher in Kohl, Salat, Tomaten und Kartoffeln aus biologischem Anbau mehr Vitamine und bioaktive Pflanzenstoffe. Ein Vorteil der Lebensmittel aus alternativem Anbau ist unstrittig. Sie sind weniger mit Pestiziden belastet als andere Waren. Das geht sowohl aus den Daten der Warentester als auch aus einer Studie aus dem Bundesprogramm Ökologischer Landbau hervor.

Generell leben Bio-Käufer jedoch gesünder: Laut der Nationalen Verzehrsstudie II, die am Max Rubner Institut durchgeführt wurde, greifen sie öfter zu Obst und Gemüse und seltener zu Fleisch und Wurstwaren als Verbraucher, die konventionelle Produkte bevorzugen. Bei den favorisierten Lebensmitteln der Bio-Befürworter biete es sich an, auf saisonale Obst- und Gemüsearten aus regionalem Anbau zu achten. Bei der Auswahl entsprechender Produkte helfen Saisonkalender. Doch manchmal müssen es einfach Exoten sein. Nicht immer schneiden die gemütlich per Containerschiff transportierten und oft fair gehandelten Bananen oder Ananas aus fernen Ländern in der Ökobilanz schlechter ab als heimische Produkte. Denn eine lange Kühllagerung, beispielsweise bei das ganze Jahr über angebotenen Äpfeln, macht sich hier negativ bemerkbar. Und auch für die Bio-Exoten gilt: Bei ihrem Anbau werden die Prinzipien der ökologischen Nachhaltigkeit verfolgt. Es wird wie beim heimischen Bio-Anbau beispielsweise auf Pestizide und synthetische Düngemittel verzichtet. (sid)

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    Laut 85 Lebensmitteltests sind Bio-Lebensmittel nicht automatisch gesünder oder schmackhafter

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