"Nur unverantwortliche Menschen können das tun"

2. September 2010, 17:01
33 Postings

Österreichische Blätter veröffentlichten ein Bild von Lucia R. als Mordopfer und angebliche Prostituierte: "Ich konnte das nicht fassen"

Harald Fidler traf Lucia R. und ihre Anwältin Birgit Kraml.

STANDARD: Sie sind jene Lucia R., deren Bild österreichische Zeitungen als Mordopfer und angebliche Prostituierte veröffentlicht haben?

R.: Ja.

STANDARD: Was haben Sie sich gedacht, als Sie davon erfahren haben, dass österreichische Zeitungen Ihr Bild von Ihrer Facebookseite genommen und in diesem Zusammenhang veröffentlicht haben? 

R.: Das war ein großer Schock für mich und meine ganze Familie, ich konnte das nicht fassen.

STANDARD: Wie haben Sie von den Veröffentlichungen erfahren?

R.: Ich kam gerade aus dem Urlaub zurück und war noch am Flughafen, als mich ein Freund angerufen hat: Ein Journalist habe ihn kontaktiert, dass mein Foto in österreichischen Medien veröffentlicht wurde im Zusammenhang mit einem Mordfall, einem Mord an einer angeblichen Prostituierten.

STANDARD: Sie wollen gegen die Medien rechtliche Schritte unternehmen, die Ihr Bild in diesem Zusammenhang veröffentlicht haben?

R.: Ja.

STANDARD: Kann man schon sagen, in welcher Form?

Kraml: Das behalten wir uns noch vor. Wir werden auf jeden Fall gegen diese Medien vorgehen.

STANDARD: Aber von einer Entschädigungsforderung ist auszugehen?

Kraml: Entschädigung sieht das Mediengesetz in einem solchen Fall ja glasklar vor, sowie Gegendarstellung, Widerruf und Unterlassung.

STANDARD: Wie geht es einem, wenn Zeitungen einen als Mordopfer und als angebliche Prostituierte abbilden?

R.: Es verletzt wirklich sehr, wenn das eigene Bild in einem solchen Zusammenhang missbraucht wird. Sowas können nur wirklich unverantwortliche Menschen tun.

STANDARD: Sie oder Ihre Familie haben keine Versuche von den Medien wahrgenommen, Kontakt aufzunehmen, die das Bild veröffentlicht haben? Abgesehen von unseren Versuchen, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen.

R.: Nein, absolut nicht.

STANDARD: Inzwischen sollen auch in der Slowakei Artikel mit Ihrem Bild in diesem Zusammenhang erschienen sein.

R.: Das ist richtig. Hier wurde aber der Name abgekürzt, nur österreichische Zeitungen haben den Namen ausgeschrieben.

STANDARD: Werden Sie auch gegen die slowakischen Medien vorgehen?

R.: Ja.

STANDARD: Wurden Sie in Ihrem Umfeld schon auf die Veröffentlichungen in Österreich und nun auch in der Slowakei angesprochen?

R.: Ja, man hat mich schon darauf angesprochen.

STANDARD: Ändert diese Erfahrung Ihren Umgang mit Facebook und Social Media insgesamt? Das soll nicht bedeuten: Wer sein Foto in Facebook stellt, muss damit rechnen, dass es missbraucht wird. Aber: Werden Sie Ihre Fotos und Daten weiterhin in der Form online zugänglich lassen?

R.: Ich hätte nicht gedacht, dass einem sowas passieren kann. Aber nach dieser Geschichte werde ich in Facebook nicht mehr unter meinem richtigen Namen auftreten - und mir noch genauer überlegen, was ich ins Internet stelle.

LUCIA R. (22). Dass die Studentin in Bratislava heißt wie das Opfer eines Mordes, machte sie in Österreich zum Medienopfer. Birgit Kraml von der Sozietät Wolf Theiss vertritt sie. Briefe an die Medien sind verschickt.

Zum Thema:

  • Falsche Opfer-Bilder: Nach Anwaltsbrief entfernten die Webseiten falsche Fotos.
    montage: l. friesenbichler

    Falsche Opfer-Bilder: Nach Anwaltsbrief entfernten die Webseiten falsche Fotos.

Share if you care.