Lucia R.: Vermeintliches Mordopfer will Wiener Blätter klagen

1. September 2010, 19:10
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Das Foto von der Facebook-Seite einer Lucia R. erschien in Österreich als Bild einer Ermordeten - Auf STANDARD-Anfragen meldete sich diese Frau - Sie erklärt, sie wolle gegen die Veröffentlichungen vorgehen

Bratislava/Wien - Sie kommen aus dem Urlaub zurück und erfahren von Freunden und Journalisten, dass Sie angeblich a) als Prostituierte gearbeitet haben und b) vorige Woche in Wien mit mehreren Messerstichen ermordet wurden. So erging es einer Lucia R. aus Bratislava. Doch diese Lucia R. ist wohlauf.

In der Nacht auf vergangenen Freitag fanden zwei Bekannte die Slowakin Lucia R. tot in ihrer Wohnung im 15. Wiener Gemeindebezirk. "Krone" und "Österreich", später "Kurier" und "Heute" illustrierten ihre Stories über den Mord an der 22-Jährigen mit dem Bild einer jungen Frau, das auf der Facebook-Seite einer Lucia R. steht. Sie haben nur den gleichen Namen.

DER STANDARD berichtete von entsprechenden Hinweisen, dass die abgebildete Lucia R. nicht die ermordete Lucia R. ist. Redakteurinnen von "Krone" und "Kurier" erklärten, ein Mann aus dem Nachbarhaus beziehungsweise ein Beamter der Spurensicherung hätten die Übereinstimmung des Bildes mit dem Opfer bestätigt. Der "Kurier" veröffentlichte nach dem STANDARD-Bericht auch ein älteres Bild des tatsächlichen Opfers aus einer anderen Quelle.

Das Facebook-Foto der falschen Lucia R. erschien bis Donnerstag sechsmal in der "Krone", zweimal im"Kurier", einmal in "Österreich" und zweimal in "Heute", zudem auf den Internetseiten von "Österreich", "Heute" und "Kurier". Donnerstag legt die "Krone" noch zweimal nach - just die Seite mit dem Bild erschien wegen eines Aon-Inserates doppelt.

Nun antwortete die Lucia R. mit jener Facebook-Seite, von der das vielfach veröffentlichte Bild stammt, dem STANDARD. Sie sei gerade erst vom Urlaub zurückgekommen und habe von Freunden von den Veröffentlichungen erfahren, bei denen derStandard.at nach Lucia R. und ihrer Identität recherchiert hatte. Diese Lucia R. erklärt, dass die veröffentlichten Fotos ihre Bilder seien.

"Fotos gestohlen"

Sie wolle rechtlich gegen jene Medien vorgehen, die mit der Veröffentlichung ihre Rechte verletzt und "die Fotos gestohlen haben" . Nach STANDARD-Infos ist Lucia R. deshalb in Kontakt mit Rechtsanwältin Birgit Kraml von Wolf Theiss.

Das Oberlandesgericht Wien bestätigte gerade ein Urteil (2500 Euro Entschädigung) gegen "Heute", das einen falschen Mann als Täter (der von der Polizei erschossen wurde) zeigte. Ein ähnliches Verfahren gegen "Österreich" läuft.

Den Mordfall Lucia R. hat inzwischen die Staatsanwaltschaft Wien von der Polizei übernommen. Ein Tatverdächtiger befindet sich wie berichtet in Haft. (Philip Bauer, Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 2.9.2010)

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