Studie: Online-Nutzer glauben Wikipedia mehr als Tageszeitungen

1. September 2010, 17:37
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Erhebung in Österreich, Kroatien, Slowenien

Alpbach - Einige Überraschungen selbst für Meinungsforscher und Telekombranche hat eine Vergleichsstudie unter Internet-Nutzern nach Umfragen in Österreich, Slowenien und Kroatien gebracht. Fast 30 Prozent in Österreich und Slowenien und 40 Prozent in Kroatien pflegen unterwegs übers Handy ihre Kontakte über Facebook & Co. Jüngere loggen sich in der Regel mehrmals täglich ein und beziehen aus dem Netz auch die meisten Informationen. Die meisten der 1.500 Befragten in den drei Ländern finden demnach auch, dass "Wikpiedia nicht lügt".

Arglosigkeit

Leider nicht überrascht wurden Auftraggeber Telekom Austria und Meinungsforscher Gfk von der Arglosigkeit, mit der vor allem junge Leute private Daten wie Adressen, Telefonnummern und persönliche Bilder oder irgendwann einmal kompromittierende Texte ins Netz stellen. Diese lassen sich derzeit praktisch nicht entfernen. Irgendwann wird dies ein Thema auch für Regulierungsbehörden, sagte Telekom-Generaldirektor Hannes Ametsreiter am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz mit Gfk-Austria-Chef Rudolf Bretschneider in Alpbach.

Social Networks dringen in alle Bereiche ein

Digitale Medien und Social Networks dringen in alle Bereiche vor. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia erreicht Spitzenwerte unter den Informationsquellen im Netz. Jeder Zweite beurteilt Wikipedia als glaubwürdige Quelle. In Österreich nannten 63 Prozent der Befragten Wikipedia als sehr glaubwürdig bzw. glaubwürdig - vergleichsweise abgeschlagen dazu Printmedien (53 Prozent) und andere Online-Medien (Zeitungen, Zeitschriften) mit 50 Prozent. Nur das Fernsehen - von 65 Prozent als glaubwürdig gewertet - liegt bei der Online-Community gleichauf bzw. noch leicht über Wikipedia.

Bretschneider: "Das Image von 2.0-Anwendungen als glaubwürdige Infoquelle ist bei den Usern sehr hoch. Man kann sagen, Wikipedia ist das neue Fernsehen, die neue Tageszeitung." Wie früher bei Umfragen unter Handy-Nutzern, die sich nackt und unruhig finden, wenn das Mobiltelefon nicht zur Hand ist, hat der Ländervergleich auch eine Art Suchtverhalten bei der Internetnutzung ergeben: Jeder zweite Österreicher fühlt sich von der Außenwelt abgeschnitten ohne Internetzugang. In Slowenien fühlen sich zwei von drei Usern nicht wohl ohne Netzzugang und in Kroatien, wo die Branche und die User im Schnitt noch jünger sind, gar 80 Prozent.

85 Prozent mit Facebook-Account

85 Prozent der jungen Internet-Nutzer in Österreich besitzen einen Facebook-Account. In Slowenien sind es 90 Prozent und in Kroatien praktisch alle jungen Leute, die im Netz aktiv sind.

Eine "kognitive Dissonanz" besteht in den Köpfen der User zu den Gefahren für die Privatsphäre, die im Netz lauern. "So was passiert immer den anderen", ist die vorherrschende Meinung. In Österreich sehen 30 Prozent der User in irgendeiner Form eine Missbrauchsgefahr für die eigenen Daten, doppelt so stark (60 Prozent) sehen sie aber "andere User" gefährdet.

Kroatische User am freizügigsten

Besonders freizügig mit ihren persönlichen Daten sind die User in Kroatien, wo 67 Prozent den vollen Namen, 69 Prozent private eigene Fotos und 63 Prozent ihre Mail-Adressen auf Plattformen wie Facebook ins weltweite Netz stellen. In Slowenien ist hingegen nur die Minderheit dazu bereit. In Österreich hat die Telekom ihre Aufklärungsarbeiten an Schulen, mit Fibeln und Informationsveranstaltungen verstärkt.

Für die Umfrage hat GfK im August in den drei Ländern mit jeweils 500 Online-Interviews geführt. (APA)

  • Wikipedia ist für Online-Nutzer laut einer aktuellen Studie eine vertrauenswürdigere Quelle als Tageszeitungen.
    foto: standard/urban

    Wikipedia ist für Online-Nutzer laut einer aktuellen Studie eine vertrauenswürdigere Quelle als Tageszeitungen.

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