Wolfgang Kulterer bleibt in U-Haft

30. August 2010, 17:31
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Ex-Hypo-Chef befindet sich seit 13. August in Gewahrsam

Für den Ex-Vorstand der Hypo Alpe Adria, Wolfgang Kulterer, gilt auch weiterhin Flucht-, Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr. Sein Anwalt spricht von einem "Justizskandal". Kulterer sei bloß ein "Bauernopfer."

Klagenfurt - In Justizkreisen war es längst klar: die Chancen, dass Wolfgang Kulterer, Ex-Vorstand der Hypo Alpe Adria, in absehbarer Zeit aus der U-Haft entlassen werden könnte, sind denkbar gering.

Montag, Punkt 11 Uhr. Kulterer wird Untersuchungsrichter Josef Testin vorgeführt. Auch Soko-Hypo-Ermittler nehmen am Verhandlungstisch Platz. Kurz vor 12 Uhr verkündet der U-Richter: Wolfgang Kulterer bleibt in U-Haft. Es bestehe weiterhin Flucht-, Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr. Richter Testin folgt damit den Argumenten der Staatsanwaltschaft Klagenfurt. Kulterer und sein Anwalt Ferdinand Lanker haben sich Bedenkzeit erbeten. Lanker spricht von einem "Justizskandal". Man habe seinen Mandanten zum "Bauernopfer" gemacht.

Kulterer war am 13. August in der Tiefgarage unter seiner Klagenfurter Wohnung festgenommen worden. Zwei Tage später wurde die U-Haft verhängt. Dem Hypo-Chef wird unter anderem Untreue vorgeworfen. Darauf stehen bis zu zehn Jahre Haft. Haftausschlaggebend sollen zwei Kredite gewesen sein, die Kulterer auf Zuruf des damaligen Landeshauptmanns Jörg Haider ohne Sicherheiten vergeben hatte. In einem Fall geht es um 150.000 Euro für den Detektiv Dietmar Guggenbichler, die dieser nicht zurückzahlen konnte, im anderen Fall um die Erweiterung eines Kreditrahmens um zwei Millionen Euro für die schwer angeschlagene Fluglinie Styrian Spirit, bei der auch das Land Kärnten drei Millionen aus dem Zukunftsfonds lockermachte. Wenig später musste die Styrian Spirit Insolvenz anmelden. Für den zwei-Millionen-Kredit soll es keinen Kreditakt gegeben haben.

Privater Schuldenberg

Dafür könnte sich die notverstaatlichte Hypo nun an Kulterer schadlos halten. Doch viel dürfte bei dem einstigen Karrierebanker nicht mehr zu holen sein, soll er doch privat bereits schwer verschuldet sein. Auch mit seinem neuen Firmenstandbein in Rumänien, der Agroeast, soll Kulterer laut Insidern einen Verlust von rund vier Mio. Euro eingefahren haben. Der nächste Haftprüfungstermin ist in einem Monat. (stein, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.8.2010)

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    Trister Abgang für einen erfolgsgewohnten Karrierebanker. Ex-Hypo-Alpe-Adria- Vorstand Wolfgang Kulterer muss auch weiterhin im Klagenfurter Gefangenenhaus in U-Haft bleiben.

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