Textilbranche lässt Geld in Brüssel

27. April 2003, 19:47
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Höher qualifizierte Mitarbeiter könnten manche Firmenflucht aus Österreich verhindern - Die Fördergelder dafür bleiben oft ungenutzt

Wien - Die seit Jahren schrumpfende heimische Textilindustrie steht spätestens 2005 vor einer neuerlichen, massiven Strukturbereinigung. Wenn in zwei Jahren das Multifaserabkommen, das derzeit noch gegen Billigimporte bei Textilien schützt, endgültig fällt, könnte der Faden bei "rund einem Drittel der 18.900 Jobs" reißen, befürchten Branchenexperten. Die Betriebe würden Fertigungen künftig noch eiliger als bisher aus Mitteleuropa auslagern, heißt es.

Als Gegenmittel setzen Unternehmer-, aber auch Arbeitnehmervertreter wie Johann Arnold (Metall-Textil) und Günther Prusa (GPA) im Gespräch mit dem STANDARD auf verstärktes Lobbying in Brüssel, wo man mehr Marktöffnungen, einen verbesserten Musterschutz und die verbindliche Betonung europäischer Produktionsstandards fordern wird.

Qualifizierungsniveau

Außerdem drängen die Gewerkschafter auf eine weitere Anhebung des Qualifizierungsniveaus der heimischen Textilarbeiter. Ihr Vorwurf: Industrie und Schulungsinstitute lassen zu viel Geld im Topf des EU-Bildungsprogramms Leonardo, das insgesamt 500 Mio. € bereitstellt. Johann Arnold: "Gerade ist die Einreichfrist für mehr textile Projekte wieder versäumt worden." Dabei besteht bei den Textilmitarbeiter eine hohe Bildungsbereitschaft.

Wie eine im Auftrag von Metall-Textil und GPA in Auftrag gegebene Studie des Institutes für Berufsbildungsforschung (ÖIBF) aufzeigt, sind 81 Prozent an beruflicher Weiterbildung interessiert. Das aktuelle Angebot wird aber oft als nicht bedarfsgerecht empfunden. Und: 82 Prozent schätzen ihre Berufszukunft in der Textilbranche als eher negativ ein. (Monika Bachhofer, DER STANDARD Print-Ausgabe, 28.4.2003)

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    Österreichs Textilbranche muss Profil zeigen: In zwei Jahren fällt das Multifaser-Abkommen.

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